Rezension: „Mein wundervoller Naschbalkon. Mit Obst, Gemüse und Kräutern ideenreich gestaltet“

Endlich mal ein reines Balkongartenbuch und was für ein schön gestaltetes noch dazu! Hier berichtet die Autorin von ihren 10 Jahren Erfahrung mit einem Südbalkon. Das Buch wird in die großen Bereiche Gemüse, Obst und Praxis geteilt. Das bildorientierte, offene Layout lädt sofort zum Schmökern ein. Die Bilder sind oft ganzseitig und passen sich wunderbar in den Text ein.

Auf der Verlagsseite findet man einen schönen Blick ins Buch:

https://www.ulmer.de/usd-6993725/mein-wundervoller-naschbalkon-.html

Titel: Mein wundervoller Naschbalkon. Mit Obst, Gemüse und Kräutern ideenreich gestaltet.
Autorin: Natalie Faßmann
ISBN: 978-3-8186-1433-1
Verlag: Verlag Eugen Ulmer
Seitenzahl: 144
Erscheinungsdatum: 13.01.2022

Los geht es mit den Kräutern. Auf je einer halben Seite werden verschiedene Kräuter vorgestellt, aber es wird schnell ersichtlich, dass es sich hier definitiv eher um Erfahrungsberichte als um Portraits oder Anleitungen handelt. Die Autorin stellt bei jeder Art einige Sorten vor, die bei ihr gut laufen. Teilweise wirken diese Portraits etwas durcheinander. So gibt es beispielsweise am Rand außerhalb des Satzspiegels ein Rezept für Estragon-Essig oder eine Doppelseite mit „ästhetischen Kräuterzusammensetzungen“. Ein etwas größerer Bereich ist dem Basilikum und der Minze gewidmet; neben Sortenbeschreibungen gibt es hier auch Rezepte. Mitunter werden aber auch eher unbekanntere Pflanzen vorgestellt, wie Agastache, das man unter den Teekräutern findet. Neben (essbaren) Blüten ist auch Haltbarmachen ein Thema. Generell ist dieses Kapitel stark auf die Verwendung von Kräutern in der Küche oder deren gesundheitliche Vorteile ausgerichtet.

Auch im Kapitel Gemüse werden die einzelnen Arten auf je einer halben bis ganzen Seite portraitiert, jedoch fallen die Rezepte weg. Positiv sticht hier heraus, dass die Autorin findet, dass alles auf dem Balkon geht, sogar Kohlköpfe – und seien es kompakte Sorten von z.B. Kürbis oder Zucchini. Genauso ausgefallen ist die Anleitung, wie man selber Gurken veredeln kann.

Wieder nennt die Autorin verschiedene Sorten und gibt teilweise sogar Anbau- und Aussaathinweise. Diese sind etwas rar mit Infos gespickt, dann aber wiederum teilweise sehr spezifisch, wie z.B. die Keimtemperatur von Auberginen. Auch sind die Hinweise nicht einheitlich: Bei manchen Pflanzen wird erklärt wie man sie aussät, bei manchen wie groß der Topf sein sollte; bei manchen beides, bei anderen wiederum keins von beiden.

Auch vertritt die Autorin teilweise andere Ansichten, als ich sie aus andern Gartenbüchern kenne. So spricht sie sich beispielsweise klar für das Ausbrechen der Königsblüte aus oder düngt ihre Erbsen und Bohnen.

Im Kapitel Obst werden zunächst verschiedene Beeren sowie dazugehörige Rezepte vorgestellt, anschließend Säulen- und Steinobst. Hier wird unter anderem auf den Schnitt eingegangen. Zum Schluss werden noch Zitrusfrüchte behandelt.

Obwohl somit so ziemlich alle Arten abgedeckt sind, sind es im Großen und Ganzen nur spärliche Tipps und auch eher Erfahrungswerte.

Nun folgt noch ein Kapitel über die generelle Pflege von Pflanzen. Die Betonung liegt auf „generell“, denn auch hier geht die oberflächliche Beschreibung weiter, die bislang das ganze Buch durchzogen hat. Samengewinnung wir zwar erwähnt, aber nicht näher erklärt; lediglich die Vermehrung wird etwas ausführlicher beschrieben. Dinge wie Anzucht, Gefäße, Erde, Gießen, Düngen, Überwintern – alles wird auf 1-2 Seiten grob erklärt und jedes Mal für Konkretisierungen /Spezifika auf die vorhergehenden Portraits verwiesen. Auch die bebilderte Übersicht von Schädlingen und Nützlingen ist sehr kurz gehalten. Interessant ist zumindest das Selbstherstellen von Kompost auf dem Balkon in einem 10l-Eimer sowie die Vorstellung von Wurmkompost und Bokashi. Auch Gärtnern mit Kindern wird kurz behandelt.

Im abschließenden Anhang gibt es noch eine Sortenübersicht Obst, einen Gartenjahrkalender, Literatur, Bezugsquellen und ein Register (inkl. Rezepte).

Fazit 2/5

Das Buch punktet definitiv mit seiner schönen Gestaltung, die zum Lesen einlädt.

Sehr positiv finde ich zudem die vielen Sortenempfehlungen, die hier ausgesprochen werden und die wirklich auf den Balkon bezogen sind. Auch viele außergewöhnliche und besondere Sorten sind dabei.

An sich ist das Buch gut aufgeteilt in die Teilbereiche Kräuter, Gemüse und Obst, aber ich finde, die allgemeine Pflege wäre vielleicht besser als erstes anstatt letztes Kapitel gewesen, da grade für Neulinge dies mitunter der interessanteste Part ist. Auch würde somit ein solider Grundstein gelegt werden, der die nachfolgenden Portraits womöglich mehr verständlich macht. Dazu kommen aber auch die teilweise fragwürdigen Ratschläge, die man womöglich grade als Anfänger eher mit Vorsicht genießen sollte.

Hinzu kommt, dass zwar nach Pflanzarten sortiert ist, aber innerhalb dieser Kategorien ist alles recht durcheinander: Mal kommt ein Rezept, dann eine Pflanze, dann wie man Lebensmittel haltbar macht, nächste Pflanze, usw. Mitunter driftet die Autorin auch innerhalb des jeweiligen Portraits ab.

Im Großen und Ganzen dient dieses Buch eher als Inspiration und regt definitiv zum Ausprobieren vieler neuer Sorten an. Als ein grundlegender Leitfaden für etwaige Neulinge ist es aber meines Erachtens nach nicht geeignet.

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