Kategorie: Anzucht

  • Anzucht: Endlich geht es los

    Anzucht: Endlich geht es los

    Vorab

    Der März ist bereits fast vorbei und ihr fragt euch sicherlich, wo der Beitrag mit den ersten Anzuchten bleibt. Tatsächlich hat sich dieser, obwohl schon seit längerem vorbereitet, erheblich verzögert. Der Grund: Die erste Anzuchtrunde ist leider nicht so geworden wie erhofft. Deswegen habe ich einige Änderungen am Originalbeitrag vorgenommen. Ich habe mir gedacht, dass ich euch im Folgenden einfach zeige, welche Fehler mir bei den ersten Anzuchten unterlaufen sind und, was noch viel wichtiger ist, was ich daraus gelernt habe. Los geht’s!

    15.2.2025 – Versuch 1

    Na, juckt es euch auch schon so in den Fingern wie mir?
    Die Tage werden langsam länger und die Sonne bleibt bereits bis in die frühen Abendstunden am Horizont. Beste Voraussetzungen also für den Start der Aussaat der ersten Pflanzen in diesem Jahr.
    Vielleicht wundert ihr euch aber auch, warum man so früh im Jahr schon mit den ersten Anzuchten beginnt, denn man pflanzt ja bekanntlich erst ab Mitte Mai, den sogenannten Eisheiligen, ins Freiland.
    Ja, das ist korrekt, aber manche Gemüsesorten brauchen etwas mehr Vorlauf als andere. Und zwar sind das die Folgenden:

    • Paprika
    • Chili
    • Aubergine
    • Tomatillo
    • Physalis

    Alle diese Sorten sind sehr wärmebedürftig und brauchen in unserem gemäßigten Klima viel länger, um überhaupt Früchte ausbilden zu können. Deswegen zieht man sie bereits Anfang des Jahres im Haus vor.
    Da ich noch vom letzten Jahr eine überwinterte Physalis im Haus habe, habe ich dieses Jahr auf die Anzucht einer weiteren Pflanze verzichtet und mich zunächst nur auf je zwei Paprika-, Chili-, Auberginen- und Tomatillosorten konzentriert.
    Daneben habe ich auch noch (Erdbeer)Mais und Kohlrabi gesät. (Fragt euch bitte nicht, warum ich den Mais so früh gesät habe… irgendwie habe ich die Informationen auf der Rückseite der Samenpackung in meinem Kopf verdreht.)
    Wie ich dabei jeweils vorgegangen bin, erfahrt ihr jetzt.

    Vorbereitung

    Einen Tag zuvor habe ich meine zwei Minigewächshäuser aus der Kiste, in der ich sie gemeinsam mit meinen anderen Gartenartikeln aufbewahre, hervorgeholt und erstmal gründlich gereinigt. Über Nacht habe ich sie dann trockenen lassen.

    Meine habe ich vom Dehner, aber es gibt inzwischen beinahe überall welche zu kaufen. Natürlich braucht man auch nicht zwingend ein Minigewächshaus. Aber gerade wenn man mit Katzen versucht, Pflanzen vorzuziehen, ist ein schützendes Gehäuse eigentlich unvermeidbar.

    Hier vernichtet Sirius seelenruhig meine gesamte Anzucht Salat

    Dann ging es am nächsten Tag endlich los. Minigewächshäuser, Anzuchterde, Jiffy Pots, Samentütchen und Handschuhe – mehr braucht es nicht. Ich pflanze immer gerne auf dem Balkon auf einer Unterlage, damit ich im Haus nicht alles dreckig mache.
    Und dann ist das Vorgehen eigentlich immer dasselbe: Die Anzuchttöpfe mit Erde füllen, Samen gemäß Verpackung in die Erde drücken, Beschriften nicht vergessen und kräftig angießen.


    Hier seht ihr die Sortenauswahl:


    Fertig aufgestellt sieht dann alles so aus:

    Lilly freut sich

    Vier Tage später

    Die ersten Samen sind aufgegangen: Mais und Kohlrabi. Weitere vier Tage später, am 23.2.2025 ist auch eine der vier gepflanzten Tomatillos geschlüpft.

    Nun ist es Zeit für ihr neues Habitat:

    Dieses Jahr versuche ich mal an einer etwas anderen Vorgehensweise als die Jahre davor. Diese Konstruktion, bestehend aus einer Pflanzen-LED und einer großen Pflanzwanne, habe ich mir diese Saison neu gekauft. In der Wanne will ich gesammelt alle Jungpflanzen bis zur Pflanzung ins Freiland bzw. den Balkon unterstellen. So habe ich alle Pflanzen an einem Ort und kann beispielsweise zum Abhärten einfach die gesamte Wanne auf den Balkon stellen, anstatt alle Töpfchen einzeln raus und wieder rein zu tragen. Zudem steht die Wanne an einem erhöhten Platz in unserem Flur, so dass die Pflanzen hoffentlich auch dauerhaft sicher vor den gefräßigen Dschungelkatzen sind.
    Ich bin mal gespannt wie das klappt. Bislang hatte ich die Pflanzen bis zum Auspflanzen die ganze Zeit im Minigewächshaus gehalten, oftmals mit dem Deckel drauf. Das tat den Pflänzchen aber nicht so gut. Klar, sie waren sicher vor den Fressattacken der Dschungelkatzen, aber sie sind teilweise sehr stark vergeilt, weil für die warmen Temperaturen an unserem Südfenster das Licht, das durch den Deckel kam, viel zu gering war. Deswegen versuche ich es dieses Jahr mit Kunstlicht. Sobald die Pflanzen ihr erstes richtiges Blattpaar nach den Keimblättern ausgebildet haben, werden sie in größere Töpfe pikiert und diese in die Pflanzwanne unter Kunstlicht gestellt.

    Die Erkenntnis

    … So sah zumindest der Plan aus. Jedoch stagnierte bereits nach kurzer Zeit das Pflanzenwachstum. Nur der Mais wurde größer, so dass ich ihn am 24.2.2025 in 9×9 Töpfe mit Anzuchterde gesetzt hatte (die oben erwähnten größeren Gefäße). Der Kohlrabi hingegen war extrem geeilt und auch die Tomatillo wurde bereits ziemlich lang. Zwischenzeitlich waren am 26.2.2025 auch noch zwei von vier Auberginen gekeimt, die ebenfalls in ihren Jiffy Pots in die Anzuchtstation zogen.
    Es war warm in der Wanne, ja (oftmals über 20 Grad), aber ich dachte, zumindest das helle Licht würde das ausgleichen? Aber vielleicht war die LED auch zu schwach? Ich kaufte mir daher eine andere Lampe, aber auch hier wurde ich schnell unsicher, da sich keine Änderung einstellte, bis sich mein technisch-affiner Partner der Sache annahm und mich wieder zur ersten Lampe, die ihr auch auf den Bildern hier seht, überzeugte.
    Jetzt wollte ich etwas testen. Auf Amazon kaufte ich mir daher fünf ganz kleine Gewächshäuser mit integriertem LED-Licht. Der erste Gedanke war, den Kohlrabi in so einem Gewächshaus auf dem Balkon zu halten. Aber da es zu der Zeit grade Minusgrade draußen hatte, verlegte ich die Anzucht daher kurzerhand in unseren Keller. Und da ich eh schon am Experimentieren war, kam auch noch ein weiterer Versuch hinzu: Am 24.2.2025 säte ich Kopfsalat und erneut Kohlrabi in eine wiederverwendete Obstplastikschale. Bereits nach drei Tagen keimten die ersten Samen und ich konnte mit dem Versuch starten. Einen Teil der Salatpflanzen setzte ich direkt in die bei den kleinen Gewächshäusern mitgelieferten Plastikschalen und stellte sie mit den von der ersten Charge vergeilten Kohlrabi in den Keller (mit Licht und Deckel drauf), wo es bei wärmeren Außen-Temperaturen die empfohlenen 10 bis 15 Grad hat.

    Die restlichen Keimlinge blieben am Fenster im Minigewächshaus, aber ohne den Deckel drauf. Ursprünglich waren für den Versuchsaufbau jeweils vier Keimlinge vorgesehen. Aber wie ihr hier seht, ist das passiert, was ich niemals ganz verhindern kann: Die Dschungelkatzen haben alle Keimlinge bis auf einen gegessen… seufz. Naja, was soll man machen; den letzten habe ich jetzt (hoffentlich) möglichst katzensicher auf einer anderen Fensterbank untergebracht.

    Derzeit wachsen beide Salate ganz gut. Die am Fenster in der Wohnung vergeilen erstaunlicherweise nicht, aber ich habe schon den Eindruck, dass die im Keller schneller wachsen. Mal schauen. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

    Lösung

    Nach dieser Odyssee konnte ich für meine Anzucht auf jeden Fall folgende Probleme und deren feststellen:

    • Anzuchtgefäße: Die 9×9 Töpfe sind perfekt, obwohl ich sie eigentlich für pikierte Pflanzen vorgesehen hatte. Seit ich die Tomatillo hier eingesetzt habe, kann man ihr täglich beim Wachsen zuschauen. Der Trick: Hier hält sich die Feuchtigkeit gut, denn das ist, wie ich festgestellt habe, ein großes Problem mit den Jiffy Pots. Von meiner Aussaat im Februar ist in diesen Pots mehr als die Hälfte bis heute nicht aufgegangen. Die Erde darin trocknete superschnell aus, während die Töpfe bereits anfingen sich aufzulösen. Ich habe diese Aussaaten am 4.3.2025 wiederholt und zwar in den mitgelieferten Plastikschalen der fünf Minigewächshauser – bereits nach sechs Tagen sind so gut wie alle Samen der ersten Schalte aufgegangen, davon auch zwei Sorten, die in der ersten Runde gar nicht aufgingen.
    • Erde: Die Anzuchterde, die ich kaufe, ist recht grob. In vielen Videos habe ich gesehen, dass manche Leute daher ihre Erde sieben. Dies habe ich auch gemacht und gleichzeitig im Ofen sterilisiert, da wir dieses Jahr recht viele Trauermücken wegen der Überwinterungspflanzen haben. Zudem habe ich die Erde in den Töpfchen vor dem Aussäen angedrückt. So können die Keimlinge die Erde gut durchstoßen und dabei ihre Samenhülse in der Erde lassen, anstatt sie auf den Blattspitzen mit nach oben zu nehmen (und sich dabei womöglich gar nicht erst öffnen können).
    • Vorkeimen: Da in der ersten Runde grade die langsam wachsenden Samen von Tomatillo, Aubergine, Paprika und Chili nicht aufgegangen waren, habe ich sie in der zweiten Runde in lauwarmen Kamillentee vorkeimen lassen. Um dafür ein Gefühl zu bekommen, habe ich zunächst die Samen aber nur einige Stunden und nicht, wie teilweise empfohlen, bis zu zwei Tage im Tee gelassen. Bei der Tomatillo und der Aubergine hat sich der Effekt aber bereits bemerkbar gemacht: Alle gepflanzten Samen sind nach sechs Tagen gekeimt.
    • Licht, Licht, Licht: Wie ihr hier auf dem Foto sehen könnt, ist diese Tomate steil nach oben gewachsen – das Ergebnis von acht Stunden unter der Haube am Südfenster. Dies verdeutlich nochmal wie wichtig es ist, dass die Pflanzen, sobald sie ihren Kopf aus der Erde stecken, viel Licht brauchen. Ich habe inzwischen die ganze Plastikschale unter meine LED in der Anzuchtwanne gestellt und seither wächst sie nicht mehr steil nach oben und bildet bereits ihr erstes richtiges Blattpaar nach den Keimblättern. Alle anderen Keimlinge in der Palette sind somit dem Geilwuchs entkommen – sie wachsen wunderbar gedrungen und, was man vor allem an den Auberginen sehen kann, schneller und besser als diejenigen aus der ersten Runde, die unter schlechteren Bedingungen angefangen haben.

    Wie ihr seht, haben sich in meiner Anzuchtstation nun, Ende März, bereits einige Pflanzen versammelt. Ob der Platz unter der Lampe reicht, gerade, wenn einige noch in größere Töpfe pikiert werden müssen? Wir werden sehen. Aber notfalls habe ich ja noch meine zweite Lampe – und die Fensterbank, die dieses Mal aber wirklich Dschungelkatzensicher gemacht werden muss. 🤨
    Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, dass es völlig normal ist, Fehler bei der Anzucht zu machen, denn das Wissen, was man daraus gewinnt, ist unbezahlbar. Und wie sagt man so schön: Versuch macht Kluch 🤓