Kategorie: Die Dschungelkatzen lesen

  • Rezension: „Mein Biotop auf dem Balkon. Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt“

    Rezension: „Mein Biotop auf dem Balkon. Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt“

    In diesem Buch berichtet die Autorin Birgit Schattling von ihrem Bio-Balkon im 6. Stock in Berlin. Ihr Ziel: Mehr Menschen sollen ihren Balkon nutzen. Aber nicht als Abstellplatz für Bierkästen, sondern als Biotop für Mensch, Tier und Umwelt. Ihr Buch soll als Inspiration dienen und verschiedene Möglichkeiten der Nutzung vorstellen.

    Gemäß dieses Mottos will sie zunächst die Leser:innen ermutigen, diesen Schritt zu wagen und geht alle etwaigen Gegenargumente durch, die man gegen das Balkongärtnern haben könnte, wie beispielsweise keinen grünen Daumen zu haben und widerlegt diese.

    Titel: Mein Biotop auf dem Balkon. Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt
    Autorin: Birgit Schattling
    ISBN: 978-3-8338-7352-2 Verlag: Gräfe und Unzer Verlag GmbH
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 04.03.2020

    In diesem Buch berichtet die Autorin Birgit Schattling von ihrem Bio-Balkon im 6. Stock in Berlin. Ihr Ziel: Mehr Menschen sollen ihren Balkon nutzen. Aber nicht als Abstellplatz für Bierkästen, sondern als Biotop für Mensch, Tier und Umwelt. Ihr Buch soll als Inspiration dienen und verschiedene Möglichkeiten der Nutzung vorstellen.

    Gemäß dieses Mottos will sie zunächst die Leser:innen ermutigen, diesen Schritt zu wagen und geht alle etwaigen Gegenargumente durch, die man gegen das Balkongärtnern haben könnte, wie beispielsweise keinen grünen Daumen zu haben und widerlegt diese.

    Das erste große Kapitel beschäftigt sich mit der Planung. Man soll zunächst beobachten, welche Bedingungen auf dem Balkon vorherrschen und dahingehend eine Skizze anfertigen. Die jeweiligen Lichtbedingungen sind die Grundlage für die Pflanzenauswahl. Zu bedenken ist dabei auch, dass es sogar auf Südbalkonen schattige Plätze geben kann, z.B. durch eine vorhandene Brüstung. Alle anderen Faktoren wie Wasser oder Nährstoffe sind vom Menschen beeinflussbar, die Lage jedoch nicht. Zudem sollte man bedenken, dass Pflanzen auf dem Balkon für ein Mikroklima sorgen und die Temperatur sogar runter kühlen können. Auch die Traglast und Sicherung von Balkonkästen ist ein wichtiges Thema, sowie der Zeitfaktor, der fürs Balkongärtnern benötigt wird (z.B. sind mehrjährige Pflanzen weniger pflegeintensiv als einjährige).

    Als weitere Entscheidungskriterien bei der Pflanzenwahl nennt sie Insektenfreundlichkeit und Frosthärte. Die eher ungewöhnliche Idee der Autorin ist es, Pflanzen auszuwählen, die bestimmte Tiere anlocken, die man gerne auf dem Balkon haben will, z.B. Spatzen.

    Die Autorin empfiehlt generell ein Balkonbüchlein zu führen, um bislang gemachte Erfahrungen auf dem Balkon festzuhalten, und zwar sowohl Erfolge als auch Misserfolge.

    Das nächstgrößere Kapitel ist die Praxis. Hier geht die Autorin nacheinander auf die wichtigsten Punkte ein:

    • Werkzeuge: Bei Kauf auf Qualität achten, ansonsten kann man vieles aus dem Haushalt zweckentfremden, z.B. alte Gabel zum Auflockern der Erde.
    • Erde: Sie sollte gut Wasser halten, drainieren, strukturstabil sein (nicht zusammenfallen oder verhärten) und Nährstoffe beinhalten. Anstatt der preiswerten konventionellen Erden sollte man besser torffreie Bioerde kaufen oder sie selber mischen; hierfür gibt sie auch entsprechende Anleitungen mit Mischverhältnissen. Es wird auf die Wichtigkeit von torffreier Erde eingegangen und warum Erde nicht torfarm oder -reduziert sein darf. Ebenfalls geht die Autorin auf den individuellen Nährstoffbedarf einzelner Arten ein (Kräuter, Gemüse, Wildblumen). Auch vegane Erde findet Erwähnung.
    • Pflanzgefäße: Kann man umsonst vom Wertstoffsammelhof oder gar dem Friedhof bekommen. Auch gibt die Autorin Infos zu den jeweiligen Materialien und auch einige DIY-Ideen sind dabei. Wenn man zum Beispiel ca. 3 cm von unten Löcher in die Seitenwände eines Topfes bohrt, so hat man ein Gefäß mit Wasserreservoir plus Abflusslöcher. Platzsparend und rückenschonend sind Hoch- oder Vertikalbeete, aber auch vertikales Gärtnern oder Konstruktionen wie Hanging Baskets werden vorgestellt.
    • Pflanzen: Worauf sollte man beim Kauf von Saatgut und Jungpflanzen achten; bei mehrjährigen Pflanzen ist zusätzlich zu beachten ob sie frosthart (=draußen überwintern) sind oder ob man sie drinnen überwintern muss, wofür man natürlich den Platz und die richtigen Bedingungen braucht. Einheimische Pflanzen sind exotischen vorzuziehen, da sie besser an unsere Insekten, Ökosystem und Klima angepasst sind. Bei Blumen sollte man unbedingt auf ungefüllte Blüten achten, da bei gefüllten die nekatar- und/oder pollentragenden Blütenteile in sterile Blütenblätter umgezüchtet wurden. Die Autorin betont, dass nicht alles, wo bio draufsteht, auch gut ist; hier gibt es mitunter lange Transportwege und generell sollte man lieber bei örtlichen Gärtnereien anstatt im Baumarkt kaufen, da man Beratung und korrekte Beschilderungen erwarten kann. Kauft man online, fällt zwar Verpackungsmüll an, aber man hat auch mehr Auswahl, z.B. bei Wildpflanzen. Die Autorin empfiehlt auch Saatguttauschbörsen, aber man soll bitte immer samenfestes Bio-Saatgut kaufen (Anbieter werden im Anhang genannt). Dazu passend wird ein kurzer Exkurs zu „Samen gewinnen“ eingeschoben, aber das Ganze wird leider nur oberflächlich angekratzt. Interessant ist jedoch, dass wenn man eigenes Saatgut jedes Jahr erneut sät und sammelt, man optimal an den Balkon angepasste Pflanzen erhält.
    • Aussaat: Hier gibt es eher allgemeine (Begriffs)Erklärungen. Es werden nachhaltige bzw. recycelte Anzuchtgefäße vorgestellt und die Pflanzung samt Planung und Platzierung (ausgewachsene Größe beachten!) wird besprochen.
    • Gießen: Die Devise lautet hier: weniger ist mehr. Die Autorin plädiert für lieber einmal durchdringend gießen und dann erst wieder wenn die Erde richtig trocken ist und die Pflanze schlappmacht. Auch gibt sie Tipps für Wochenendtrips und Kurzurlaub.
    • Mulchen
    • Düngen: Für die Autorin bedeutet biologisches Gärtnern, dass man durch Düngen den Bioorganismen eine Nahrungsgrundlage schafft und somit den Boden pflegt. Aktives Bodenleben ist eine Voraussetzung für gesundes Wachstum der Pflanze. Sie empfiehlt selbsthergestellte nachhaltige Dünger wie Kräuterjauchen, Biodünger wie Bokashi, Wurmkiste (wozu es auch ein Special gibt), Schafwollpellets und Effektive Mikroorganismen, aber keine mineralischen Dünger (die nicht das Bodenleben fördern), sondern nur organische Dünger. Gekaufte Erde ist steril, d.h. dass oftmals aber auch keine Mikroorganismen mehr am Leben sind. Bei Neupflanzung ist zu beachten, dass Starkzehrer eine Düngergabe bekommen, Mittel- und Schwachzehrer aber nicht. Eine Nachdüngung ist in der Regal nach ca. 8-12 Wochen fällig, wenn die Nährstoffe in der Erde verbraucht sind (Angaben finden sich auf der Erdverpackung).

    Die Autorin vermeidet die Begriffe „Nützlinge“ und „Schädlinge“, sondern vertritt vielmehr die Meinung, dass wenn eine Pflanze kränkelt, der Mensch etwas falsch gemacht hat. Man soll daher auf die Artenvielfalt achten und die Widerstandskraft der Pflanze stärken, dann machen Kulturfehler nicht so viel aus. Wichtig ist auch der richtige Standort, Gießen und Düngen etc. Hier ist der nervige Öko-Ton besonders präsent und mutet leicht sektenartig mit Formulierungen wie „wir machen das nicht“ an.

    Ein weiteres Kapitel behandelt das Überwintern. Auf Stadtbalkonen ist vieles auch ohne Schutz möglich. Will man im Haus überwintern, sollten die entsprechenden Bedingungen (10°C Raumtemperatur und viel Licht) erfüllt sein. Der Neustart findet im Frühjahr mit Rückschnitt, Umtopfen und (alte) Erde aufbereiten statt. Das ökologische Vorgehen, dass man erst im Frühjahr aufräumt, besteht darin, dass man ansonsten Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Co. zerstören könnte.

    Im letzten großen Kapitel werden verschiedene Bio-Balkon-Typen vorgestellt. Zwischen den einzelnen Balkontypen werden Balkone von realen Personen „vorgestellt“. Diese zweiseitigen Portraits finde ich eher mau. Stattdessen möchte ich lieber auf die Balkontypen eingehen.

    Der erste Typ ist der Naschbalkon, bei dem Obst (Erdbeeren, Säulenobst, Him-, Johannis- und Stachelbeeren) im Fokus stehen. Jeder Sorte wird ein kurzer Absatz mit allgemeinen Pflegehinweisen gewidmet. Der Abschnitt schließt ab mit Sortenempfehlungen und Pflanzen, die es nicht in den Fließtext geschafft haben, wie Heidel- und Gojibeere.

    Der zweite Typ ist der Selbstversorger-Balkon. Mit großen Pflanzgefäßen kann man theoretisch fast das ganze Jahr hindurch Gemüse ernten, weswegen in diesem Abschnitt hauptsächlich dafür Tipps und Anleitungen gegeben werden. Für eine optimale Platzausnutzung wird ein Vertikalbeet empfohlen: Wintergemüse wächst dort bis Mitte Mai, danach kommt das Sommergemüse und umgekehrt. Eingebaute überdachte Balkone profitieren im Winteranbau von der niedrig stehenden Wintersonne, da sie Ecken erreicht, die im Sommer kein Licht abbekommen. Zudem strahlen die Wände Wärme ab. Auch im Frühjahr ist ein früherer Start möglich, auch wenn man ggf. nachts die Pflanzen noch mit einem Vlies abdecken muss.

    Da die Autorin Mischkultur eher beim Ertragsanbau als auf Balkonen sieht, schneidet sie dieses Thema nicht an. Sie konzentriert sich stattdessen auf für den Balkon geeignete Unterpflanzungen wie beispielsweise Salat unter Tomaten. Sie rät von Minigemüse ab, da diese in ihren Augen keine gute Ernte einfahren. Sie plädiert zu großen Pflanzen, v.a. für Südbalkone, da sie Schatten spenden und somit für Abkühlung sorgen. Zum Abschluss behandelt sie noch Obst in der selben Art und Weise wie Gemüse (Wuchs, Pflege, Substrat, Sonne). Es ist ganz okay, aber es werden längst nicht alle Arten vorgestellt. Auberginen fehlen z.B. gänzlich.

    Der dritte Typ ist der Kräuterbalkon. Kräuter gehen auf jedem Balkon, wenn man sich an deren natürlichem Lebensraum orientiert. Auch sind sie wichtig für Tiere. Hier tritt die Spiritualität, die das ganze Buch durchzieht, leider besonders stark hervor.

    Der vierte Typ ist der Insektenbalkon. Die Autorin plädiert für eine Unterstützung der Wildbienen durch v.a. heimische Wildblumen. Sie erklärt auch, dass Pollen (Blütenstaub) wichtig für die Brut und der Nektar für die Weibchen ist. Auch erläutert sie kurz den Lebenszyklus der Wildbienen. Sie spricht Empfehlungen für ein ganzjähriges Angebot an Wildblumen auf dem Balkon aus. Auch erwähnt sie Insektennisthilfen, wie beispielsweise aufrecht stehende, tote hohle Stängel von Sonnenblume, Himbeere, Brombeere (weswegen man die Pflanzen auch über den Winter stehen lassen sollte). Wenn man solche Hilfen kaufen möchte, erläutert sie auch, worauf man beim Kauf achten sollte. Auch sollte man den Balkon nachts nicht beleuchten wenn möglich. Sie schließt wieder mit kurzen Portraits ab, gespickt mit zusätzlichen Informationen für wen was geeignet ist (z.B. Brennsessel für Schmetterlinge).

    Der letzte Typ ist der Vogelbalkon. Hier steht im Fokus, welche Pflanzen und Architektur für Vögel (Futter, Tränke, Nistmöglichkeiten) am sinnvollsten sind. Sie erläutert, welches Futter für welche Vögel geeignet ist; wie Futter aufgestellt/-gehängt werden sollte; dass man Futter auch selber herstellen kann; und auch die Hygiene wird angesprochen. Auch rechtliches bzw. Probleme wie Nachbarstreitigkeiten werden angesprochen und Lösungen dafür angeboten. Sie warnt auch, dass Vögel womöglich Pflanzen anfressen oder zerstören. Zum Schluss folgt auch wie bisher eine Übersicht mit Pflanzen für Vögel.

    Das Buch schließt ab mit einer Seite Buchempfehlungen (auch zum Thema Wildbienen), Kaufadressen und anderen hilfreichen Seiten sowie einem Register.

    Fazit 3/5

    Das Buch stellt eine gute Mischung aus eigener Erfahrung und wertvollen Tipps dar. Bis auf wenige Ausnahmen ist alles handfest und informativ. Spannend sind auch die Tipps zu Wildbienen und Vögeln.

    Das übersichtliche Design überzeugt mit den zusammenfassenden Übersichten in farbigen Kästen und Tabellen.

    Generell finden sich in diesem Buch einige Re- und Upcycling-Tipps, die sich super in das Gesamtkonzept einfügen. Hier zeigt sich, was ich in meiner Rezension zu „Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“ meinte, dass man nicht extra ein Nachhaltigkeitsbuch braucht, wenn man es so geschickt wie hier einfach in einen normalen Gartenratgeber einfließen lassen kann

    Ab den Bio-Balkon-Typen verliert mich das Buch jedoch etwas, da ab hier weniger Infos, sondern sehr allgemeine und falsche (?) Infos (z.B. dass man Stachelbeere und rote Johannisbeere am einjährigen Holz fruchten) vorgetragen werden. Der Stil ist oftmals recht esoterisch und mitunter echt grenzwertig: „Der Anfang ist Planung. Einen Überblick verschaffen über die Voraussetzungen, die der eigene Balkon bietet, und die Wünsche. Wichtig ist Platz für eine gemütliche Sitzecke“ (s. 14). Ständig soll alles mit Sinnen wahrgenommen werden.

    Sieht man jedoch von den Balkontypen und dem Ton ab, ist das Buch aber echt gut.

  • Rezension: „Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“

    Rezension: „Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“


    Dieses Buch ist mir vor allem wegen der Autorin Melanie Öhlenhach ins Auge gefallen, von der ich bereits ein sehr gutes Balkongartenbuch daheim habe (Rezension folgt). Aber auch das Thema, das hier behandelt wird, spricht mich an: nachhaltig Gärtnern auf dem Balkon. Im Vorwort erklärt die Autorin, dass sie lange Zeit Nachhaltigkeit beim Gärtnern gar nicht auf dem Schirm hatte; immerhin ist doch schon jede Pflanze, die wächst, gut für die Umwelt. Doch auch hier fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass längst nicht alles, was man fürs Gärtnern benötigt, nachhaltig ist: Plastikgefäße, torfhaltige Erde, nicht biologische Pflanzenschutzmittel – alles hinterlässt seine Spuren. Die Autorin erklärt jedoch im gleichen Atemzug, dass Nachhaltigkeit aber noch kein weitverbreitetes Thema in der Branche ist, zumal ja auch jeder Nachhaltigkeit anders definiert. Mit diesem Buch will sie durch Wissen, ihre Erfahrungen und Recherchen dazu beitragen, dies zu ändern.

    Titel: Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon
    Autorin: Melanie Öhlenbach
    ISBN: 978-3-440-17110-3
    Verlag: Kosmos Uitgevers
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 21.01.2021

    Dieses Buch ist mir vor allem wegen der Autorin Melanie Öhlenhach ins Auge gefallen, von der ich bereits ein sehr gutes Balkongartenbuch daheim habe (Rezension folgt). Aber auch das Thema, das hier behandelt wird, spricht mich an: nachhaltig Gärtnern auf dem Balkon. Im Vorwort erklärt die Autorin, dass sie lange Zeit Nachhaltigkeit beim Gärtnern gar nicht auf dem Schirm hatte; immerhin ist doch schon jede Pflanze, die wächst, gut für die Umwelt. Doch auch hier fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass längst nicht alles, was man fürs Gärtnern benötigt, nachhaltig ist: Plastikgefäße, torfhaltige Erde, nicht biologische Pflanzenschutzmittel – alles hinterlässt seine Spuren. Die Autorin erklärt jedoch im gleichen Atemzug, dass Nachhaltigkeit aber noch kein weitverbreitetes Thema in der Branche ist, zumal ja auch jeder Nachhaltigkeit anders definiert. Mit diesem Buch will sie durch Wissen, ihre Erfahrungen und Recherchen dazu beitragen, dies zu ändern.

    Im ersten Teil geht es zunächst um nachhaltige Ausrüstung. Zwei Punkte sind hierbei von besonderer Bedeutung: Nicht alles braucht man neu zu kaufen (z.B. kann man den Flohmarkt besuchen oder Upcycling betreiben) und wenn man etwas kauft, sollten es stets hochwertige Waren oder Geräte sein, da sie länger halten.

    Die Autorin geht im Zuge dessen genauer auf einzelne Kategorien ein, wie beispielsweise Pflanzgefäße. So ist beispielsweise bei Plastiktöpfen das Recycling schwierig, da sich Plastik nicht vollständig zersetzt, sondern über Jahrhunderte hinweg in Mikroplastik zerfällt. Nachhaltiger wäre es daher, Plastikgefäße gebraucht oder aus Recyclingmaterial zu kaufen. Keramik und Co. sind zwar generell nachhaltiger, aber dafür auch teurer. Sie sollten aber unbedingt regional hergestellt sein und nicht aus Niedriglohnländern importiert.

    Vieles was man zum Gärtnern braucht ist bereits im Haushalt vorhanden und kann zweckentfremdet werden: Weinkisten oder Spankörbe von gekauften Pilzen oder Obst können als Pflanzgefäße verwendet werden, Joghurtbecher für die Anzucht, Karaffen als Gießkannen, Teller als Untersetzer, Suppenkellen oder Löffel als Schaufeln, Zweige von heimischen Gehölzen zum Anbinden (anstelle von Bambus, der von weit her kommt), Essstäbchen zum Pikieren, und noch viele weitere Ideen werden aufgeführt.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erde. Die Autorin vertritt die Meinung, dass man nicht jede Spezialerde aus dem Geschäft braucht. Für sie reicht eine normale und eine Anzuchterde vollkommen aus. Die herkömmliche Erde passt sie dann jeweils an die Bedürfnisse der Pflanzen an: Für die Starkzehrer mischt sie Langzeitdünger bei, für die Schwachzehrer nimmt sie gebrauchte Erde. Generell ist es sinnvoll, alte Erde aufzubereiten. Das spart Geld, Verpackungsmüll und der Weg zum Gartencenter sowie das Schleppen von Säcken bleibt einem auch erspart. Für den Kauf der Erde gibt sie den Leser:innen noch ein paar Tipps an die Hand und macht vor allem darauf aufmerksam, dass auch Bioerde Torf und Kokosfasern beinhalten kann. Bioerde bedeutet lediglich, dass organischer Dünger beigemischt wurde, der kann aber auch aus der konventionellen Landwirtschaft stammen. Daher sollte man zusätzlich auf das Label „vegan“ achten. Zum Abschluss folgt noch eine Übersicht über die einzelnen Bestandteile von Erde.

    Im zweiten Teil geht aus um die Pflanzenwahl.

    Jungpflanzen sollten möglichst bei regionalen Gärtnereien beschafft werden oder (sowie Saatgut) bei Tauschbörsen oder Flohmärkten, online oder vor Ort.

    Zu beachten ist auch die jeweilige Lebensdauer: Es gibt einjährige Pflanzen (bilden in einem Jahr Wurzeln, Blätter, Blüten und Samen und sterben danach ab, wie beispielsweise Zucchini), zweijährige (bilden im zweiten Jahr Blüten und Samen, wie beispielsweise Radieschen) und mehrjährige (zum Beispiel Stauden). Auch dies lässt sich im Auge der Nachhaltigkeit betrachten.

    Es folgt ein Abschnitt über das richtige Platzieren der Pflanzen auf dem Balkon. Hierbei sind die Faktoren Sonne, Schatten, Dach als Regenschutz und ein Vorsprung als Schutz vor Wind miteinzukalkulieren. Die Autorin rät zur Beobachtung und Testung der entsprechenden Parameter, bevor man sich für die entsprechenden Pflanzen entscheidet.

    Ein etwas größerer Abschnitt befasst sich mit der Vermehrung von Pflanzen. Es folgt eine Übersicht und eine Anleitung mit den verschiedenen Vermehrungsarten: Saatgut, Teilung, Ausläufer, Stecklinge/Absenken. Vermehrung ist eine gute und vor allem nachhaltige Alternative zum Neukauf. Zum einen unterstützt man damit die Sortenvielfalt und zum anderen fördert das die Unabhängigkeit von großen Unternehmen. Auch selber Anbauen trägt zum Erhalt der Sortenvielfalt bei, da im Handel nur bestimmte Sorten erhältlich sind, die sich in großen Mengen ernten lassen und lange lagerbar sind. Durch die Agrarindustrie ist also viel Geschmack und Vielfalt verloren gegangen, die man sich durch Saatgut wieder ins Haus holen kann.

    Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem erfolgreichen Pflegen von Pflanzen.
    Hier werden die Klassiker behandelt:

    • Gießen (inklusive Bewässerungshilfen und einer Anleitung zum Olla bauen)
    • Düngen (inklusive Übersicht der verschiedenen Dünger und wie man Dünger auch selber machen kann, v.a. unter dem Gesichtspunkt des Geldsparens und dass man weiß, was drin ist; unter anderem behandelt werden Bokashi, Mini-Komposter, Plfanzenjauchen und -brühen wie beispielsweise Ackerschachtelhalmbrühe und natürliche Dünger aus dem Haushalt, z.B. Kaffee)
    • Mischkultur und Fruchtfolge (jedoch keine Tabelle, sondern eher Empfehlungen, wie man experimentieren oder kurze Texte, was funktionieren kann, z.B. Flach- und Tiefwurzler gemeinsam)
    • Unkraut
    • Schädlinge (regelmäßig kontrollieren und auf natürliche Gegenspieler setzen; generell findet man hier aber eher die gängigen Tipps. Zwar wird auf einzelne Schädlinge und Krankheitsbilder eingegangen, die Autorin empfiehlt aber Apps zur genaueren Bestimmung)
    • Überwintern

    Interessant ist der Hinweis, dass Gründüngung auch auf dem Balkon möglich ist; es werden sogar Empfehlungen ausgesprochen.

    Abschließend folgen noch einige Pflanzenportraits.
    Symbole verweisen bei jeder Pflanze auf die Eigenschaften sonniger/halbschattiger/schattiger Standort, Überwintern möglich ja/nein, Kulturdauer, Vogel- und/oder Insektenfreundlich, Stark-/Mittel-/Schwachzehrer.
    Aufgeteilt ist der Teil in die jeweilige Überkategorie (Gemüse, Obst, Kräuter, Blumen) und ein kurzes generelles Vorwort/Einleitung, die dann in den Portraits spezifiziert werden. Die Portraits sind jedoch sehr kurz und knackig und umfassen nur jeweils eine halbe Seite.
    Bei den Obstsorten werden zum Beispiel zwar viele spezielle Balkonzüchtungen vorgestellt und es werden noch allgemeine Pflegehinweise erwähnt. Jedoch werden hier eher Klassiker genannt und auch nur Beeren; Steinobst wird nur im Vorwort erwähnt.
    Die Kräuter sind besonders knapp und unspezifisch mit Tipps wie „gelegentlich gießen“.
    Der Blumenteil überrascht jedoch positiv, da hier eher seltene und „außergewöhnliche“ Sorten vorgestellt werden und nicht nur Standardsorten wie die Sonnenblume. Auch wird die Wichtigkeit für die Wildbienen betont, immerhin sind die erste Hummelköniginnen ab März bis in den Herbst hinein unterwegs. Um die Bestäuber:innen anzulocken ist es wichtig, keine gefüllten Blüten, sondern ungefüllte und heimische Wildpflanzen auf dem Balkon zu kultivieren.

    Fazit 2 ½ /5

    Das Buch hält was der Titel verspricht. Es ist in sich stimmig und die Thematik zieht sich durch das gesamte Buch, was sich auch im Design widerspiegelt. Es kommt im „Öko-“ bzw. „Baukastendesign“ daher, da zwischendurch immer wieder spannende Konzepte und Ideen vorgestellt werden, wie beispielsweise verschiedene DIY-Anleitungen (Pflanzkasten aus Weide flechten, Palettenregal, etc.). Sogar das Papier ist nachhaltig.

    Es sind viele wichtige Hinweise enthalten, wie zum Beispiel dass selbst bei Bioprodukten zur Schädlingsbekämpfung Nützlinge abgetötet werden können. Beim Lesen dieses Buches fängt man an, seinen eigenen Balkongarten zu hinterfragen.

    Leider verliert sich das Thema Nachhaltigkeit jedoch etwas in den Portraits, da sie so allgemein wirken wie in einem gewöhnlichen Balkongartenbuch. Hier kommt besonders das Zwitterwesen dieses Buches zum Vorschein: Eine Mischung aus Tipps zur Nachhaltigkeit und einem allgemeinen Guide für Anfänger. Hierzwischen verliert es leider manchmal den Fokus und man stellt sich unwillkürlich die Frage: Braucht es denn das? Hätte das nicht in einem „normalen“ Balkongartenbuch untergebracht werden können?

    Dennoch ist das Thema ein sehr wichtiges, und da ich die Autorin und ihren Stil mag, kann ich es all denjenigen empfehlen, die sich in dieses spezifische Thema mehr einlesen möchten.

  • Rezension: „Mein wundervoller Naschbalkon. Mit Obst, Gemüse und Kräutern ideenreich gestaltet“

    Rezension: „Mein wundervoller Naschbalkon. Mit Obst, Gemüse und Kräutern ideenreich gestaltet“

    Endlich mal ein reines Balkongartenbuch und was für ein schön gestaltetes noch dazu! Hier berichtet die Autorin von ihren 10 Jahren Erfahrung mit einem Südbalkon. Das Buch wird in die großen Bereiche Gemüse, Obst und Praxis geteilt. Das bildorientierte, offene Layout lädt sofort zum Schmökern ein. Die Bilder sind oft ganzseitig und passen sich wunderbar in den Text ein.

    Auf der Verlagsseite findet man einen schönen Blick ins Buch:

    https://www.ulmer.de/usd-6993725/mein-wundervoller-naschbalkon-.html

    Titel: Mein wundervoller Naschbalkon. Mit Obst, Gemüse und Kräutern ideenreich gestaltet.
    Autorin: Natalie Faßmann
    ISBN: 978-3-8186-1433-1
    Verlag: Verlag Eugen Ulmer
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 13.01.2022

    Los geht es mit den Kräutern. Auf je einer halben Seite werden verschiedene Kräuter vorgestellt, aber es wird schnell ersichtlich, dass es sich hier definitiv eher um Erfahrungsberichte als um Portraits oder Anleitungen handelt. Die Autorin stellt bei jeder Art einige Sorten vor, die bei ihr gut laufen. Teilweise wirken diese Portraits etwas durcheinander. So gibt es beispielsweise am Rand außerhalb des Satzspiegels ein Rezept für Estragon-Essig oder eine Doppelseite mit „ästhetischen Kräuterzusammensetzungen“. Ein etwas größerer Bereich ist dem Basilikum und der Minze gewidmet; neben Sortenbeschreibungen gibt es hier auch Rezepte. Mitunter werden aber auch eher unbekanntere Pflanzen vorgestellt, wie Agastache, das man unter den Teekräutern findet. Neben (essbaren) Blüten ist auch Haltbarmachen ein Thema. Generell ist dieses Kapitel stark auf die Verwendung von Kräutern in der Küche oder deren gesundheitliche Vorteile ausgerichtet.

    Auch im Kapitel Gemüse werden die einzelnen Arten auf je einer halben bis ganzen Seite portraitiert, jedoch fallen die Rezepte weg. Positiv sticht hier heraus, dass die Autorin findet, dass alles auf dem Balkon geht, sogar Kohlköpfe – und seien es kompakte Sorten von z.B. Kürbis oder Zucchini. Genauso ausgefallen ist die Anleitung, wie man selber Gurken veredeln kann.

    Wieder nennt die Autorin verschiedene Sorten und gibt teilweise sogar Anbau- und Aussaathinweise. Diese sind etwas rar mit Infos gespickt, dann aber wiederum teilweise sehr spezifisch, wie z.B. die Keimtemperatur von Auberginen. Auch sind die Hinweise nicht einheitlich: Bei manchen Pflanzen wird erklärt wie man sie aussät, bei manchen wie groß der Topf sein sollte; bei manchen beides, bei anderen wiederum keins von beiden.

    Auch vertritt die Autorin teilweise andere Ansichten, als ich sie aus andern Gartenbüchern kenne. So spricht sie sich beispielsweise klar für das Ausbrechen der Königsblüte aus oder düngt ihre Erbsen und Bohnen.

    Im Kapitel Obst werden zunächst verschiedene Beeren sowie dazugehörige Rezepte vorgestellt, anschließend Säulen- und Steinobst. Hier wird unter anderem auf den Schnitt eingegangen. Zum Schluss werden noch Zitrusfrüchte behandelt.

    Obwohl somit so ziemlich alle Arten abgedeckt sind, sind es im Großen und Ganzen nur spärliche Tipps und auch eher Erfahrungswerte.

    Nun folgt noch ein Kapitel über die generelle Pflege von Pflanzen. Die Betonung liegt auf „generell“, denn auch hier geht die oberflächliche Beschreibung weiter, die bislang das ganze Buch durchzogen hat. Samengewinnung wir zwar erwähnt, aber nicht näher erklärt; lediglich die Vermehrung wird etwas ausführlicher beschrieben. Dinge wie Anzucht, Gefäße, Erde, Gießen, Düngen, Überwintern – alles wird auf 1-2 Seiten grob erklärt und jedes Mal für Konkretisierungen /Spezifika auf die vorhergehenden Portraits verwiesen. Auch die bebilderte Übersicht von Schädlingen und Nützlingen ist sehr kurz gehalten. Interessant ist zumindest das Selbstherstellen von Kompost auf dem Balkon in einem 10l-Eimer sowie die Vorstellung von Wurmkompost und Bokashi. Auch Gärtnern mit Kindern wird kurz behandelt.

    Im abschließenden Anhang gibt es noch eine Sortenübersicht Obst, einen Gartenjahrkalender, Literatur, Bezugsquellen und ein Register (inkl. Rezepte).

    Fazit 2/5

    Das Buch punktet definitiv mit seiner schönen Gestaltung, die zum Lesen einlädt.

    Sehr positiv finde ich zudem die vielen Sortenempfehlungen, die hier ausgesprochen werden und die wirklich auf den Balkon bezogen sind. Auch viele außergewöhnliche und besondere Sorten sind dabei.

    An sich ist das Buch gut aufgeteilt in die Teilbereiche Kräuter, Gemüse und Obst, aber ich finde, die allgemeine Pflege wäre vielleicht besser als erstes anstatt letztes Kapitel gewesen, da grade für Neulinge dies mitunter der interessanteste Part ist. Auch würde somit ein solider Grundstein gelegt werden, der die nachfolgenden Portraits womöglich mehr verständlich macht. Dazu kommen aber auch die teilweise fragwürdigen Ratschläge, die man womöglich grade als Anfänger eher mit Vorsicht genießen sollte.

    Hinzu kommt, dass zwar nach Pflanzarten sortiert ist, aber innerhalb dieser Kategorien ist alles recht durcheinander: Mal kommt ein Rezept, dann eine Pflanze, dann wie man Lebensmittel haltbar macht, nächste Pflanze, usw. Mitunter driftet die Autorin auch innerhalb des jeweiligen Portraits ab.

    Im Großen und Ganzen dient dieses Buch eher als Inspiration und regt definitiv zum Ausprobieren vieler neuer Sorten an. Als ein grundlegender Leitfaden für etwaige Neulinge ist es aber meines Erachtens nach nicht geeignet.

  • Rezension: „Obst & Gemüse selbst anbauen: Schritt für Schritt zum eigenen Küchengarten (GU Gartenpraxis“

    Rezension: „Obst & Gemüse selbst anbauen: Schritt für Schritt zum eigenen Küchengarten (GU Gartenpraxis“


    Dies war das erste Gartenbuch überhaupt, das ich mir gekauft hatte. Wie der Klappentext verrät, geht es hier um Garten, Terrasse und Balkon. Das Buch ist in drei große Kapitel unterteilt: Planung, Gartenpraxis und Portraits. Diese sind dann jeweils entsprechend nochmal in kleinere Überkapitel unterteilt.

    Titel: Obst & Gemüse selbst anbauen: Schritt für Schritt zum eigenen Küchengarten (GU Gartenpraxis)
    Autorin: Renate Hudak
    ISBN: 978-3-8338-5067-7
    Verlag: Gräfe und Unzer Verlag GmbH
    Seitenzahl:128
    Erscheinungsdatum: 06.02.2016

    Dies war das erste Gartenbuch überhaupt, das ich mir gekauft hatte. Wie der Klappentext verrät, geht es hier um Garten, Terrasse und Balkon. Das Buch ist in drei große Kapitel unterteilt: Planung, Gartenpraxis und Portraits. Diese sind dann jeweils entsprechend nochmal in kleinere Überkapitel unterteilt.

    Los geht es mit der Planung: Zuerst sollte man sich immer fragen, was man sich vom Gärtnern erhofft und was man zur Verfügung hat; hier spielen nicht nur die (räumlichen) Gegebenheiten, sondern auch die vorhandene Zeit eine große Rolle. Bezüglich des Platzes werden ein paar praktische Richtwerte genannt: Wie viel Beetfläche benötigt man und ob man Obstbäume pflanzen möchte, die ja auch nochmal extra Platz benötigen. Für Balkone werden spezielle kompakte und klein bleibende Sorten empfohlen. Generell wichtig für das Pflanzenwachstum ist dort zudem die Ausrichtung (vorzugsweise Süd-Ost oder Süd-West), sowie die entsprechende Beschattung. Generell geht es aber viel um Gartengestaltung, die in einer maßstabsgetreuen Skizze konkludieren soll (hier habe ich mir übrigens auch meine Ideen zur Planung geholt). Miteinfließen sollen dabei:

    • Kulturdauer (wenige Tage bis mehrere Wochen von der Aussaat bis zur Ernte; hier sollte man sich immer an der längsten Kultur orientieren)
    • Mischkultur
    • und beim Balkon: auch hier spielt Kulturdauer und Nährstoffbedarf eine Rolle (deswegen wird beispielsweise von Kürbis abgeraten, dafür eher kleinwüchsige Sorten wie Tomaten und Co. empfohlen). Auch Platzsparen in Form von Pflanzregalen oder -taschen wird angesprochen sowie Hängeampeln.

    Es folgt eine kurze Übersicht über Erde und Gefäße. Der erste Teil schließt, wie auch die anderen Teile bzw. größeren Abschnitte, mit einem FAQ-Teil ab, der quasi nochmal den vorhergegangenen Inhalt zusammenfasst und spezifiziert.

    Im zweiten Teil „Gartenpraxis“ wird nun tief in die Praxis eingetaucht. Los geht es mit einer Übersicht über nützliche Geräte und Werkzeuge für das Gärtnern. Als nächstes werden die verschiedenen Gartenbodentypen erörtert und wie man sie ggf. verbessert. Auch wird der Säuregrad (von sauer bis alkalisch) angesprochen. Dem schließt sich ein Kapitel darüber an, wie man Kompost (zumindest im Garten) selber machen kann. Auch wichtig: Beete und Hoch- und Hügelbeete anlegen.

    In einem etwas größeren Unterkapitel geht es dann weiter mit der Auswahl von Pflanzen und Obstgewächsen, die auf je 2-4 Seiten beschrieben werden. Hierbei geht es u.a. um den Unterschied zwischen wurzelnackten Pflanzen und Ballenware. Es wird erläutert, was wichtig beim Kauf von Jungpflanzen ist:

    • gut durchwurzelt
    • 1-5 Laubblattpaare neben den Keimblättern
    • generell gesunde Blätter.

    Auch wird darauf eingegangen, was beim Saatgutkauf zu beachten ist.

    Die Anzucht wird sehr generell, aber nicht sortenspezifisch beschrieben. Ebenso die Direktaussaat, die sich aber eher auf Beete bezieht. Weitere Unterkapitel sind:

    • Vermehrung von Beerenobst
    • Bau und Vorteile von einem Frühbeet (Erntesaison verlängern und früher starten)
    • Gewächshaus, Folientunnel, Gärtnern unter Vlies und Folie (Vlies v.a. auch als Frostschutz)
    • Jungpflanzen sowie Beerenobst und Bäume in die Erde bringen.

    Dem Balkongärtnern werden nur zwei Seiten gewidmet. Hier liegt der Fokus auf den Gefäßgrößen, dem Wasserablauf, der Erde und dem jeweiligen Standort. Typisch Gartenbuch wird hier nur wenigen Pflanzen auf dem Balkon Erfolg zugetraut. Was nachvollziehbar ist, wenn man vom Garten her kennt, dass so gut wie alles geht. Dennoch wirkt es auf unsereins doch eher etwas demotivierend.

    Weiter geht es mit Pflegearbeiten, die im Garten anfallen: gießen, düngen, mulchen, Obstbäume und -sträucher schneiden.

    Ein etwas größerer Abschnitt ist dem „Winterfest machen“ gewidmet. Neben Tipps, wie man Beerensträucher überwintern kann, geht es auch um Gemüsesorten, die man im Winter beernten kann, wie beispielsweise Feldsalat, der frostunempfindlich ist. Auch gibt es einige Kohlarten, die Minusgrade zur Ausbildung ihres Aromas brauchen, wie z.B. der Grünkohl. Der Fokus liegt aber auch hier auf Gartenbeeten und wie man diese im Winter abdeckt (mit Vlies Reisig, Laub und Stroh). Bei Spalierobst ist zudem der Schutz vor der Wintersonne wichtig; mit Stroh oder Bastmatten kann man diese abdecken, damit die Rinde durch den ständigen Wechsel von Sonne und Frost nicht splittert, so dass keine Keime eindringen können oder der Baum gar zu früh austreibt. Dieses Mal wird sogar extra auf den Balkon eingegangen: Die Pflanzen sollten an die Hauswand gerückt werden und die Gefäße mit Jute, Strohmatten oder Noppenfolie umwickelt werden. Zusätzlich sollte man sie auf Bretter oder Styroporplatten stellen.

    Ein wichtiger Unterpunkt ist der Schutz von Pflanzen. Neben vorbeugende Maßnahmen wie der Kauf von kräftigen Pflanzen und resistenten Sorten, ist auch ein optimaler Standwort wichtig, an dem die Pflanzen nicht zu dicht gesetzt werden. Auch Mischkultur ist hier ein wichtiger Aspekt, regelmäßige Kontrollen natürlich auch. Selbstgemachte Brühen, Jauchen und Tees werden empfohlen, sowie das Spannen von Netzen.

    Es folgt eine mehrseitige Übersicht über Schädlinge mit Schadbildern und entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

    Abschließend geht es noch um das Ernten: wann ist der richtige Zeitpunkt und wie erkennt man ihn (ein wichtiger Indikator: die Samentüte). Hierbei wird auf verschiedene Arten und Sorten eingegangen. Auch geht es um die richtige Lagerung und die Verwertung der Ernte in Form von Einkochen und Co.

    Es folgt der letzte große Teil: Portraits. Hier werden sehr ausführlich verschiedene Obst- und Gemüsesorten vorgestellt, wobei der Fokus wieder auf der Gartenkompatibilität liegt. Die einzelnen Kriterien, die jeweils beschrieben werden, sind: Pflanzenfamilie, Licht, Wasser, Anbauen, Boden, Pflegen, Ernten, Inhaltsstoffe, Sorten, Pflanzabstand, für Topf geeignet, Verwertung (lagerfähig, einfrieren, einmachen).

    Zum Schluss folgt noch ein Anhang, der einen Gartenjahrkalender beinhaltet, eine kleine Mischkulturtabelle und eine Seite mit Garteninfos, Verkaufsadressen und Literatur (wobei diese ausschließlich aus dem GU Verlag stammt). In der Umschlagklappe geht es noch kurz um Saatgutgewinnung, jedoch nur auf vier Sorten beschränkt. Die entsprechende App, die vorne in der Klappe beworben wird, scheint es aber nicht mehr zu geben.

    Fazit 3/5

    Hier trifft man auf geballtes Wissen – aber eher für den Garten. Obwohl auf dem Klappentext beworben, ist der Balkon immer eher im Hintergrund und es wird in den Leser:innen vielmehr die Sehnsucht nach einem Garten geweckt.

    Dafür punktet das Buch mit einem guten Allgemeinteil und Portraits. Falls man einen Garten anlegen will, ist dieses Buch definitiv eine gute erste Anlaufstelle. Für Balkongärtner:innen bietet dieses Buch eher Einblicke in allgemeine Vorgänge beim Gärtnern, die sich leider nicht alle eins zu eins auf das Balkongärtnern übertragen lassen.

    Das Layout ist okay, aber die dreispaltige Aufteilung wirkt manchmal etwas unruhig. Die einzelnen Abschnitte sind aber immer mit ansprechenden Bildern hinterlegt.

    Etwas irritierend ist, dass das Buch nicht nach Pflanzen, sondern nach Kategorien sortiert ist, also eher allgemein anstatt sortenspezifisch. Trotz der Unterteilung in Kapitel wirkt das Ganze manchmal etwas ungeordnet, was u.a. an den FAQs liegt, wo manchmal Fragen zu vorangegangenen Kapitel gestellt werden.

    Zusammenfassend lässt sich aber festhalten, dass dieses Buch ideal für Hobbygärtner:innen ist, die sich in das Thema Gärtnern erst mal hineinfinden wollen. Für Balkongärtner:innen ist es jedoch aufgrund des starken Fokus auf den Garten leider nicht geeignet.

  • Rezension: „Gemüse ernten ohne Gießen. Trockenheitstolerante Pflanzen auswählen, den Boden schützen und Wasser sinnvoll nutzen. Gärtnern mit dem Klimawandel“

    Rezension: „Gemüse ernten ohne Gießen. Trockenheitstolerante Pflanzen auswählen, den Boden schützen und Wasser sinnvoll nutzen. Gärtnern mit dem Klimawandel“

    Dieser Titel behandelt ein wichtiges Thema: Klimawandel. Wir alle spüren seine Auswirkungen.

    Die Autorin von „Gemüse ernten ohne Gießen“ berichtet hier von ihren persönlichen Erfahrungen, was sich für sie geändert hat und was sich womöglich noch ändern könnte.

    Titel: Gemüse ernten ohne Gießen. Trockenheitstolerante Pflanzen auswählen, den Boden schützen und Wasser sinnvoll nutzen. Gärtnern mit dem Klimawandel
    Autorin: Christine Weidenweber
    ISBN: 978-3-8186-1107-1
    Verlag: ‎Verlag Eugen Ulmer
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 17.06.2021

    Bereits in der Einleitung macht sie klar, dass sie den Klimawandel nicht nur als Gefahr, sondern auch als Chance sieht. Als positive Aspekte nennt sie dabei beispielsweise die längere Gartensaison oder die neuen Sorten, die man nun anbauen kann. Und kann man womöglich bald auch exotisches Gemüse ohne Gewächshaus in unseren Breitengraden anbauen? All das sind Themen, die sie in diesem Buch behandeln möchte.

    Eines der zentralen Themen ist dabei die Umwelt und wie man mit seinem Garten umweltbewusst wirtschaften kann: Sei es durch das Verwenden von torffreier Erde, das Selbstherstellen von Dünger anstatt der Verwendung von synthetischen Pflanzenschutzmitteln aus dem Handel, die Erhaltung alter Sorten (welche aufgrund neuer ertragreicherer Züchtungen über die Jahre immer mehr in Vergessenheit geraten sind), oder allein die Tatsache, dass man seine Lebensmittel selber anbaut anstatt einkaufen zu gehen (was Transportwege minimiert und Verpackungsmaterial spart).

    Um den Klimawandel überhaupt erst zu verstehen, gibt die Autorin einen kurzen Überblick über dessen Entstehung sowie über etwaige Auswirkungen wie der Rückgang der Artenvielfalt und die Ausbreitung nicht heimischer Arten. Gleichzeitig gibt sie Tipps, worauf man im eigenen Garten deswegen achten sollte:

    • ein humusreicher, gemulchter Boden zur Wasserspeicherung
    • tiefwurzelnde Pflanzen, die im Garten an tiefer liegendes Wasser kommen
    • zwischen Pflanzen hacken
    • Beete nie leer lassen.

    Interessant ist hier der Hinweis, dass manches Gemüse auf dem Balkon angebaut werden sollte bzw. kann, da man dort die Kultur besser beobachten und beeinflussen kann. Ist der Klimawandel also gut für uns Balkongärtner:innen?

    Es folgen nun kurze Berichte, was erfahrungsgemäß bei der Autorin gut und was schlecht läuft, in Bezug auf Schädlinge und andere Faktoren.

    Ein zentrales Thema ist die Erde und wie der Boden das Klima beeinflusst. Zum einen speichert er Kohlenstoff je humoser er ist, womit er der zweitgrößte Treibhausgasspeicher nach den Ozeanen ist. Die selbe Rolle übernehmen auch Moore: Kohlenstoffhaltige organische Stoffe werden aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts des Wassers nur sehr langsam abgebaut. Werden sie trockengelegt, zersetzen sie sich hingegen sehr schnell und Kohlendioxid entweicht in die Atmosphäre. Daneben speichert der Boden aber auch Wärme und helle Oberflächen wie Gletscher reflektieren sogar Sonnenstrahlen, um die Erde dadurch kühler zu halten.

    Das Klima beeinflusst aber auch wiederum den Boden: Er erwärmt sich zusehends, er trocknet schneller aus und es erfolgt Erosion durch zu viel Niederschlag. Letzteres kann aber verhindert werden, indem man den Boden nie ungeschützt lässt, z.B. durch Mulch oder durchgehende Bepflanzung. Es wird an dieser Stelle nochmals auf die Wichtigkeit eines humosen Bodens eingegangen und wie man diesen im eigenen Garten kultivieren kann. Hierzu wird die Funktionsweise von Kompost erklärt und wie man mit ihm u.a. den Boden verbessern kann. Generell ist Bodenpflege ein wichtiges Thema und dazu gehört auch, dass man nicht umgraben sollte, da dadurch die Erdschichten vermischt werden und das für die Entstehung eines humosen Bodens kontraproduktiv ist. Ebenso ist Fruchtfolge und Gründüngung essentiell (Gründüngung = Pflanzen, die den Boden nicht auslaugen, sondern ihm Gutes tun; zudem bedecken sie den Boden und schützen ihn gegen Erosion, lockern und durchlüften tiefere Bodenschichten und aktivieren Bodenorganismen).

    Nicht nur, wie der Garten liegt, wie die Bodenbeschaffenheit und wie die Lichtverhältnisse sind, bestimmt über die Gemüseauswahl im eigenen Garten, auch der Klimawandel bestimmt mit.

    Alte Sorten werden mehr und mehr zurückgebracht oder auch neu gezüchtete Sorten speziell für den Klimawandel werden auf den Markt gebracht. Erwähnung findet hier aber auch dauerhaftes Gemüse, sog. Permaveggies (z.B. Spargel, Rhabarber, Bärlauch, Meerrettich. Hierzu gehören auch Stauden, die sich über viele Jahre an ihrem Standort etablieren und auf diese Weise mit Trockenheit, Starkregen und Frösten gut klarkommen. Im Gegensatz zu einjährigem Gemüse erntet man sie nie ganz und somit ist auch immer der Boden bedeckt).

    Es folgt eine vierseitige Übersicht, was die Autorin wann und wie anbaut, aber ohne Sortennennungen, sondern nur mit allgemeinen praktischen Tipps für diese Pflanzenart. Erst auf den Folgeseiten wird diese Übersicht etwas ausführlicher erläutert, in Bezug auf persönliche Erfahrungen, Anwendung, Pflanzung, Sorten und wie gut sie jeweils mit dem Klimawandel zurecht kommen (z.B. Wurzelgemüse generell gut). Hierbei werden durchaus interessante und unbekannte Sorten vorgestellt, wie der Ewige Kohl oder Baumspinat. Auch wird auf Wildgemüse aka „Un- oder Beikraut“ eingegangen, das ebenfalls essbar und zusätzlich super robust ist, da es sich selber ohne jedwede Hilfe an seine Umgebung anpassen muss.

    Ein letzter größerer Abschnitt widmet sich dem Thema Wasser und wie man es im Garten sparen kann, sei es durch trockenheitstolerantes Gemüse, humoser Boden, mulchen oder Regenwasser sammeln. Da Wasser zudem Wärme speichert und durch Energieentzug für etwas Kühle in der Nähe sorgt (ebenso wie Verdunstung), rät die Autorin auch zu einem Teich. Wasser spart man aber auch durch nachhaltige Materialien beim Kauf von Gartenzubehör und Co.

    Generell ist es wichtig, den Wasserbedarf einer Pflanze zu kennen. Kurz wird auch auf verschiedene Bewässerungssysteme eingegangen und es gibt eine Anleitung zum Selberbasteln von Ollas.

    Das Kapitel Schädlinge legt den Fokus eher auf vorbeugende Maßnahmen (robuste Sorten wählen, Mischkultur) und abwarten (z.B. auf natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer setzen). Ansonsten wird der Einsatz von Hausmitteln und selbst hergestellten Jauchen und Brühen empfohlen. Ganz gemäß des Grundsatzes des naturnahen Gärtnerns: ökologisch und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel, Platz und Nahrung im Garten für Nützlinge schaffen und in Mischkultur anbauen. Generell ist der Schädlingsteil aber eher kurz und allgemein gehalten.

    Zum Abschluss geht es noch kurz um Permakultur und was man davon im eigenen Garten anwenden kann, z.B. Hühnerhaltung.

    Die Literaturempfehlung am Ende wird mit jeweils 1-2 Sätzen vorgestellt, was ich sehr gut finde, da man somit auch weiß, worum es bei den Büchern geht. Dann folgt noch eine Seite mit Internetseiten, Bezugsquellen und ein Register.

    Fazit: 2½/5

    So wichtig dieses Thema ist, so beschränkt sich die Autorin doch nur auf den Garten. Die Balkongärtner:innen nehmen hier eher wenige Ratschläge mit. Auch ist der Titel etwas irreführend, da man trotzdem gießen muss (auch wenn der sehr lange Untertitel das vielleicht etwas spezifiziert). Das wirkt ein kleines bisschen reißerisch (bei Videos würde man es „Clickbait“ nennen).

    An vielen Stellen ist das Buch sehr allgemein und gleicht eher einem Erfahrungsbericht als einem Ratgeber. Selbst in den Portraits der einzelnen Obst- und Gemüsesorten bleibt das Flair des Hobbygärtners erhalten, der hier aus seinem Tagebuch vorliest, dabei aber nicht weiter in die Tiefe geht. Positiv sticht heraus, dass zwischendrin immer wieder interessante Neuheiten („Specials“) wie das Kraterbeet, Terra Preta oder der „Phänologische Kalender“ beschrieben werden.

    Mein größtes Problem ist aber, dass das Buch sehr durcheinander und ohne ersichtlichen roten Faden ist. In den einleitenden Kapiteln wird eigentlich schon alles gesagt, nur um es in den weiteren Kapiteln nochmals und nochmals aufzugreifen. Dabei wird vieles an unterschiedlichen Stellen wiederholt, z.B. wie wichtig es ist, dass der Boden nie leer ist. Auch beim Schreiben dieser Rezension musste ich meine Notizen erst einmal sortieren und in eine (halbwegs) nachvollziehbare Ordnung bringen.

    Auch hat das Buch nicht die beste Aufmachung (denn sie ist genauso durcheinander wie der Inhalt), wie ich finde und 1-2 Rechtschreibfehler habe ich beim Lesen auch entdeckt.

    Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie andere Hobbygärtner:innen mit dem wechselnden Klima umgehen, ist hier durchaus gut aufgehoben. Wer aber lieber handfeste Ratschläge für das Gärtnern im Klimawandel hätte, sollte lieber nach anderen Büchern Ausschau halten.

  • Rezension „Ernteglück auch ohne Garten. Gemüse geht überall!“

    Rezension „Ernteglück auch ohne Garten. Gemüse geht überall!“

    Ihr fragt euch vielleicht, woher ich meine Infos über das Balkongärtnern beziehe? Ganz einfach: aus Gartenbüchern. Ich liebe lesen und ich liebe gärtnern – was gibt es also besseres für mich, als Gartenbücher?

    Und da ich immer auf der Suche nach neuen Büchern bin, dachte ich mir, es ist eine gute Idee, meinen Blog auch hierfür zu nutzen. Denn bestimmt findet sich unter euch auch der eine oder andere, der immer die Augen nach guten (Garten)Büchern offen hält.

    Titel: Ernteglück auch
    ohne Garten. Gemüse geht überall!
    Autor:innen: Dorothea Baumjohann, Michael Breckwoldt
    ISBN: 978-3-8338-7354-6
    Verlag: Gräfe und Unzer Verlag Gmb
    Seitenzahl: 14
    Erscheinungsdatum: 01.04.2020

    Beginnen wir diese neue Rubrik mit einem Buch, das sich genau mit dem beschäftigt, was viele uns beschäftigt: Gärtnern auf kleinstem Raum.

    Der Klappentext von „Ernteglück auch ohne Garten“ klingt vielversprechend, denn in diesem Buch geht es um Selbstversorgung ohne Garten. Stattdessen stehen Balkon, Terrasse und Hinterhof im Fokus. Die Herangehensweise: Ideen wurden aus dem Internet gesammelt und werden nun von den beiden Selbstversorger-Experten Dorothea Baumjohann und Michael Breckwoldt auf die Probe gestellt.

    Das Buch mit den Grundlagen des Gärtnerns.

    Zunächst geht es generell um die individuellen Ansprüche von Pflanzen. Bei vielen lässt sich vom natürlichen Lebensraum bereits auf ihre Bedürfnisse schließen. So wächst beispielsweise Bärlauch beschattet im Wald, Rosmarin hingegen in kargen Gebieten ohne viele Nährstoffe, aber mit viel Licht. Auch ihr Aussehen ist dahingehend angepasst. Pflanzen aus sonnigen Gegenden haben oftmals eine Wachsschicht auf den Blättern oder kleine Blätter (z.B. Rosmarin). Schattige Gesellen hingegen haben oftmals große saftig grüne Blätter, so wie Blattsalat. Die Evolution hat Pflanzen über Jahre hinweg also optimal an ihre Umgebung angepasst, bis die Züchtungen der Menschen ins Spiel kamen, die viele Obst- und Gemüsesorten speziell für den breiten Markt angepasst haben. Zum Beispiel kennen wir heutzutage nur noch die orangene Möhre aus dem Supermarkt, aber nicht mehr violette, weiße und gelbe.

    Im Anschluss wird auf den Unterschied zwischen dem Gärtnern im Garten und Gärtnern im Topf eingegangen. Gartenböden reichen tief ins Erdreich, wohingegen in Töpfen der Platz begrenzt ist und so schnell beispielsweise Staunässe auftreten kann. Deswegen ist es auch so wichtig, dass man für das Balkongärtnern keine Muttererde, sondern spezielle Erde verwendet.

    Diesem Abriss folgt eine Übersicht über die verschiedenen im Handel erhältlichen Erden und wofür sie gebraucht werden (wie nährstoffarme Kräuter- und Anzuchterde, die, wie ihr Name schon verrät, für Kräuter und Aussaaten geeignet ist). Früher war in diese Torf beigemischt, heute gibt es Gott sei Dank viele torffreie Produkte. (Für die von euch, die es nicht wissen: Um Torf zu gewinnen, müssen weltweit Moore trockengelegt werden. Dies hat verheerende Auswirkungen auf die dort heimische Flora und Fauna sowie unser gesamtes Ökosystem). Auch fällt bei einem Gartenboden Bodenpflege an in Form von Jäten, Umgraben, etc. Das entfällt beim Balkongärtnern.

    Weiter geht es mit allgemeinen Überblicken über Wind und der damit einhergehenden Verdunstung, Pflanzgefäßen, die Vor- und Nachteile von Anzucht gegenüber Direktsaat oder Jungpflanzenkauf, Gießen, Nährstoffe und Düngung, Licht und Schattenwurf (besonders auf dem Balkon ist die Ausrichtung zu beachten sowie Häuser und Bäume im Umkreis, die womöglich Schatten werfen könnten; mindestens 4-5 Stunden Licht müssen für den erfolgreichen Anbau gewährleistet sein). In einem kurzen Sortenüberblick werden Spezialzüchtungen (sog. „Balkongemüse“) zwar angesprochen, aber leider keine besonderen Sorten genannt. Es folgen dem zwar Pflanzenportraits, diese sind aber sehr schlicht gehalten. Lediglich auf Anbau, Standdauer und 1-2 Infos wird eingegangen. Zur Veranschaulichung könnt ihr euch gerne die Leseprobe auf der Verlagsseite anschauen:

    Da kenne ich leider bessere und vor allem auch ausführlichere Portraits.

    Zum Abschluss folgt noch ein Einschub über Fruchtfolge sowie eine dreiseitige Tabelle mit Mischkulturen.

    Der Hauptfokus liegt jedoch, wie bereits der Klappentext verrät, auf verschiedenen Pflanzsystemen aus dem Internet, die unter die Lupe genommen werden. Es folgt eine Einleitung in die verschiedenen Kategorien, die da sind:

    • Vertikale Bete oder „vertical gardening“ (begrenzten Platz ausnutzen und in die Höhe gehen)
    • Von Kisten und Kästen (vom Topf bis zum Minibeet)
    • Türme und Pyramiden (eine Variante des vertikalen Gärtnerns)
    • Flexibel und mobil (Europaletten, Big-Bags und Bäckerkisten)
    • Gut geerdet (klassische Hochbeete)
    • Gärtnern im Quadrat („Square Food Gardening“ = Gemüse in Quadraten anstatt Reihen)
    • Hängende Beete (wird hier eher als „Spielerei“ aufgefasst)
    • One pot (klassische Topfkultur: 1 Pflanze pro Gefäß)
    • Säcke, Taschen und Beutel (so gut wie jedes Behältnis eignet sich zum Pflanzen)
    • Minigefäße (der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt)
    • Aqua- und Terrabioponik (Symbiose mit Tieren)

    Hier gibt es jeweils einen „Experten-Check“ (wie gut lässt sich das System handhaben, in Bezug auf Wasser und andere Basics, die zu Beginn des Buches genannt wurden) und „Ernteglückspflanzen“ (welche Pflanzen funktionieren hier gut und welche nicht).

    Im Praxisteil werden nun die zuvor gezeigten System mit ausgewählten Pflanzkombinationen sowie Aufbauanleitungen zusammengeführt. Aufgeteilt wird hierbei in Balkon, Terrasse/Veranda und Innen-/Hinterhof. Die Anbaupläne sind skizziert und teilweise finden sich hier gar Sortennennungen, die man den Rest des Buches hinweg vermisst hat. Man merkt, dass dies das Herzstück des Buches ist, da es den Rest des Buches mit 50 Seiten einnimmt.

    Das Buch schließt ab mit einem Anhang, bestehend aus einem Register, Bezugsquellen, Bücher- und Gartenwissenbezugtipps. Generell sind die Empfehlungen mit 3 Seiten aber eher wenig.

    Fazit: 3/5

    Das Layout ist ansprechend und übersichtlich, die Fotos sind qualitativ gut und stimmig. Die Zeichnungen im Praxisteil sind ganz süß.

    Das Buch ist jedoch oftmals sehr allgemein gehalten, ohne namentlichen Pflanzenbezug. So wird bei verschiedenen Obst- und Gemüsesorten nicht ins Detail gegangen, sondern nur oberflächliche Infos genannt. Auf pflanzenspezifische Details wie Dünger, Sonne und Nährstoffbedarf wird nicht eingegangen. Wenn überhaupt, wird nur stichprobenartig in den Anbauplänen kurz auf Dünger etc. verwiesen. Auch gibt es keinerlei Infos zu Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten, die, wie jeder bestätigen kann, aber leider auch zum Gärtnern dazugehören.

    Der Fokus liegt eindeutig auf den verschiedenen Anbauplänen und so etwas finde ich leider immer nicht so spannend. Ein paar nette Ideen sind dabei, aber generell richtet sich das Buch eher an Neulinge, die gar nicht tief in die Materie einsteigen möchten, sondern einfach ohne viel Zutun etwas auf ihrem Balkon, Terrasse oder Hof anbauen möchten. Für Anfänger, die ihre vorsichtigen ersten Schritte auf diesem Gebiet machen möchten, ist es daher gut geeignet. Für alle, die jedoch mehr wissen wollen, empfehle ich andere Literatur.