Ihr fragt euch vielleicht, woher ich meine Infos über das Balkongärtnern beziehe? Ganz einfach: aus Gartenbüchern. Ich liebe lesen und ich liebe gärtnern – was gibt es also besseres für mich, als Gartenbücher?
Und da ich immer auf der Suche nach neuen Büchern bin, dachte ich mir, es ist eine gute Idee, meinen Blog auch hierfür zu nutzen. Denn bestimmt findet sich unter euch auch der eine oder andere, der immer die Augen nach guten (Garten)Büchern offen hält.

Titel: Ernteglück auch
ohne Garten. Gemüse geht überall!
Autor:innen: Dorothea Baumjohann, Michael Breckwoldt
ISBN: 978-3-8338-7354-6
Verlag: Gräfe und Unzer Verlag Gmb
Seitenzahl: 14
Erscheinungsdatum: 01.04.2020
Beginnen wir diese neue Rubrik mit einem Buch, das sich genau mit dem beschäftigt, was viele uns beschäftigt: Gärtnern auf kleinstem Raum.
Der Klappentext von „Ernteglück auch ohne Garten“ klingt vielversprechend, denn in diesem Buch geht es um Selbstversorgung ohne Garten. Stattdessen stehen Balkon, Terrasse und Hinterhof im Fokus. Die Herangehensweise: Ideen wurden aus dem Internet gesammelt und werden nun von den beiden Selbstversorger-Experten Dorothea Baumjohann und Michael Breckwoldt auf die Probe gestellt.
Das Buch mit den Grundlagen des Gärtnerns.
Zunächst geht es generell um die individuellen Ansprüche von Pflanzen. Bei vielen lässt sich vom natürlichen Lebensraum bereits auf ihre Bedürfnisse schließen. So wächst beispielsweise Bärlauch beschattet im Wald, Rosmarin hingegen in kargen Gebieten ohne viele Nährstoffe, aber mit viel Licht. Auch ihr Aussehen ist dahingehend angepasst. Pflanzen aus sonnigen Gegenden haben oftmals eine Wachsschicht auf den Blättern oder kleine Blätter (z.B. Rosmarin). Schattige Gesellen hingegen haben oftmals große saftig grüne Blätter, so wie Blattsalat. Die Evolution hat Pflanzen über Jahre hinweg also optimal an ihre Umgebung angepasst, bis die Züchtungen der Menschen ins Spiel kamen, die viele Obst- und Gemüsesorten speziell für den breiten Markt angepasst haben. Zum Beispiel kennen wir heutzutage nur noch die orangene Möhre aus dem Supermarkt, aber nicht mehr violette, weiße und gelbe.
Im Anschluss wird auf den Unterschied zwischen dem Gärtnern im Garten und Gärtnern im Topf eingegangen. Gartenböden reichen tief ins Erdreich, wohingegen in Töpfen der Platz begrenzt ist und so schnell beispielsweise Staunässe auftreten kann. Deswegen ist es auch so wichtig, dass man für das Balkongärtnern keine Muttererde, sondern spezielle Erde verwendet.
Diesem Abriss folgt eine Übersicht über die verschiedenen im Handel erhältlichen Erden und wofür sie gebraucht werden (wie nährstoffarme Kräuter- und Anzuchterde, die, wie ihr Name schon verrät, für Kräuter und Aussaaten geeignet ist). Früher war in diese Torf beigemischt, heute gibt es Gott sei Dank viele torffreie Produkte. (Für die von euch, die es nicht wissen: Um Torf zu gewinnen, müssen weltweit Moore trockengelegt werden. Dies hat verheerende Auswirkungen auf die dort heimische Flora und Fauna sowie unser gesamtes Ökosystem). Auch fällt bei einem Gartenboden Bodenpflege an in Form von Jäten, Umgraben, etc. Das entfällt beim Balkongärtnern.
Weiter geht es mit allgemeinen Überblicken über Wind und der damit einhergehenden Verdunstung, Pflanzgefäßen, die Vor- und Nachteile von Anzucht gegenüber Direktsaat oder Jungpflanzenkauf, Gießen, Nährstoffe und Düngung, Licht und Schattenwurf (besonders auf dem Balkon ist die Ausrichtung zu beachten sowie Häuser und Bäume im Umkreis, die womöglich Schatten werfen könnten; mindestens 4-5 Stunden Licht müssen für den erfolgreichen Anbau gewährleistet sein). In einem kurzen Sortenüberblick werden Spezialzüchtungen (sog. „Balkongemüse“) zwar angesprochen, aber leider keine besonderen Sorten genannt. Es folgen dem zwar Pflanzenportraits, diese sind aber sehr schlicht gehalten. Lediglich auf Anbau, Standdauer und 1-2 Infos wird eingegangen. Zur Veranschaulichung könnt ihr euch gerne die Leseprobe auf der Verlagsseite anschauen:
Da kenne ich leider bessere und vor allem auch ausführlichere Portraits.
Zum Abschluss folgt noch ein Einschub über Fruchtfolge sowie eine dreiseitige Tabelle mit Mischkulturen.
Der Hauptfokus liegt jedoch, wie bereits der Klappentext verrät, auf verschiedenen Pflanzsystemen aus dem Internet, die unter die Lupe genommen werden. Es folgt eine Einleitung in die verschiedenen Kategorien, die da sind:
- Vertikale Bete oder „vertical gardening“ (begrenzten Platz ausnutzen und in die Höhe gehen)
- Von Kisten und Kästen (vom Topf bis zum Minibeet)
- Türme und Pyramiden (eine Variante des vertikalen Gärtnerns)
- Flexibel und mobil (Europaletten, Big-Bags und Bäckerkisten)
- Gut geerdet (klassische Hochbeete)
- Gärtnern im Quadrat („Square Food Gardening“ = Gemüse in Quadraten anstatt Reihen)
- Hängende Beete (wird hier eher als „Spielerei“ aufgefasst)
- One pot (klassische Topfkultur: 1 Pflanze pro Gefäß)
- Säcke, Taschen und Beutel (so gut wie jedes Behältnis eignet sich zum Pflanzen)
- Minigefäße (der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt)
- Aqua- und Terrabioponik (Symbiose mit Tieren)
Hier gibt es jeweils einen „Experten-Check“ (wie gut lässt sich das System handhaben, in Bezug auf Wasser und andere Basics, die zu Beginn des Buches genannt wurden) und „Ernteglückspflanzen“ (welche Pflanzen funktionieren hier gut und welche nicht).
Im Praxisteil werden nun die zuvor gezeigten System mit ausgewählten Pflanzkombinationen sowie Aufbauanleitungen zusammengeführt. Aufgeteilt wird hierbei in Balkon, Terrasse/Veranda und Innen-/Hinterhof. Die Anbaupläne sind skizziert und teilweise finden sich hier gar Sortennennungen, die man den Rest des Buches hinweg vermisst hat. Man merkt, dass dies das Herzstück des Buches ist, da es den Rest des Buches mit 50 Seiten einnimmt.
Das Buch schließt ab mit einem Anhang, bestehend aus einem Register, Bezugsquellen, Bücher- und Gartenwissenbezugtipps. Generell sind die Empfehlungen mit 3 Seiten aber eher wenig.
Fazit: 3/5
Das Layout ist ansprechend und übersichtlich, die Fotos sind qualitativ gut und stimmig. Die Zeichnungen im Praxisteil sind ganz süß.
Das Buch ist jedoch oftmals sehr allgemein gehalten, ohne namentlichen Pflanzenbezug. So wird bei verschiedenen Obst- und Gemüsesorten nicht ins Detail gegangen, sondern nur oberflächliche Infos genannt. Auf pflanzenspezifische Details wie Dünger, Sonne und Nährstoffbedarf wird nicht eingegangen. Wenn überhaupt, wird nur stichprobenartig in den Anbauplänen kurz auf Dünger etc. verwiesen. Auch gibt es keinerlei Infos zu Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten, die, wie jeder bestätigen kann, aber leider auch zum Gärtnern dazugehören.
Der Fokus liegt eindeutig auf den verschiedenen Anbauplänen und so etwas finde ich leider immer nicht so spannend. Ein paar nette Ideen sind dabei, aber generell richtet sich das Buch eher an Neulinge, die gar nicht tief in die Materie einsteigen möchten, sondern einfach ohne viel Zutun etwas auf ihrem Balkon, Terrasse oder Hof anbauen möchten. Für Anfänger, die ihre vorsichtigen ersten Schritte auf diesem Gebiet machen möchten, ist es daher gut geeignet. Für alle, die jedoch mehr wissen wollen, empfehle ich andere Literatur.

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