Rezension: „Gemüse ernten ohne Gießen. Trockenheitstolerante Pflanzen auswählen, den Boden schützen und Wasser sinnvoll nutzen. Gärtnern mit dem Klimawandel“

Dieser Titel behandelt ein wichtiges Thema: Klimawandel. Wir alle spüren seine Auswirkungen.

Die Autorin von „Gemüse ernten ohne Gießen“ berichtet hier von ihren persönlichen Erfahrungen, was sich für sie geändert hat und was sich womöglich noch ändern könnte.

Titel: Gemüse ernten ohne Gießen. Trockenheitstolerante Pflanzen auswählen, den Boden schützen und Wasser sinnvoll nutzen. Gärtnern mit dem Klimawandel
Autorin: Christine Weidenweber
ISBN: 978-3-8186-1107-1
Verlag: ‎Verlag Eugen Ulmer
Seitenzahl: 128
Erscheinungsdatum: 17.06.2021

Bereits in der Einleitung macht sie klar, dass sie den Klimawandel nicht nur als Gefahr, sondern auch als Chance sieht. Als positive Aspekte nennt sie dabei beispielsweise die längere Gartensaison oder die neuen Sorten, die man nun anbauen kann. Und kann man womöglich bald auch exotisches Gemüse ohne Gewächshaus in unseren Breitengraden anbauen? All das sind Themen, die sie in diesem Buch behandeln möchte.

Eines der zentralen Themen ist dabei die Umwelt und wie man mit seinem Garten umweltbewusst wirtschaften kann: Sei es durch das Verwenden von torffreier Erde, das Selbstherstellen von Dünger anstatt der Verwendung von synthetischen Pflanzenschutzmitteln aus dem Handel, die Erhaltung alter Sorten (welche aufgrund neuer ertragreicherer Züchtungen über die Jahre immer mehr in Vergessenheit geraten sind), oder allein die Tatsache, dass man seine Lebensmittel selber anbaut anstatt einkaufen zu gehen (was Transportwege minimiert und Verpackungsmaterial spart).

Um den Klimawandel überhaupt erst zu verstehen, gibt die Autorin einen kurzen Überblick über dessen Entstehung sowie über etwaige Auswirkungen wie der Rückgang der Artenvielfalt und die Ausbreitung nicht heimischer Arten. Gleichzeitig gibt sie Tipps, worauf man im eigenen Garten deswegen achten sollte:

  • ein humusreicher, gemulchter Boden zur Wasserspeicherung
  • tiefwurzelnde Pflanzen, die im Garten an tiefer liegendes Wasser kommen
  • zwischen Pflanzen hacken
  • Beete nie leer lassen.

Interessant ist hier der Hinweis, dass manches Gemüse auf dem Balkon angebaut werden sollte bzw. kann, da man dort die Kultur besser beobachten und beeinflussen kann. Ist der Klimawandel also gut für uns Balkongärtner:innen?

Es folgen nun kurze Berichte, was erfahrungsgemäß bei der Autorin gut und was schlecht läuft, in Bezug auf Schädlinge und andere Faktoren.

Ein zentrales Thema ist die Erde und wie der Boden das Klima beeinflusst. Zum einen speichert er Kohlenstoff je humoser er ist, womit er der zweitgrößte Treibhausgasspeicher nach den Ozeanen ist. Die selbe Rolle übernehmen auch Moore: Kohlenstoffhaltige organische Stoffe werden aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts des Wassers nur sehr langsam abgebaut. Werden sie trockengelegt, zersetzen sie sich hingegen sehr schnell und Kohlendioxid entweicht in die Atmosphäre. Daneben speichert der Boden aber auch Wärme und helle Oberflächen wie Gletscher reflektieren sogar Sonnenstrahlen, um die Erde dadurch kühler zu halten.

Das Klima beeinflusst aber auch wiederum den Boden: Er erwärmt sich zusehends, er trocknet schneller aus und es erfolgt Erosion durch zu viel Niederschlag. Letzteres kann aber verhindert werden, indem man den Boden nie ungeschützt lässt, z.B. durch Mulch oder durchgehende Bepflanzung. Es wird an dieser Stelle nochmals auf die Wichtigkeit eines humosen Bodens eingegangen und wie man diesen im eigenen Garten kultivieren kann. Hierzu wird die Funktionsweise von Kompost erklärt und wie man mit ihm u.a. den Boden verbessern kann. Generell ist Bodenpflege ein wichtiges Thema und dazu gehört auch, dass man nicht umgraben sollte, da dadurch die Erdschichten vermischt werden und das für die Entstehung eines humosen Bodens kontraproduktiv ist. Ebenso ist Fruchtfolge und Gründüngung essentiell (Gründüngung = Pflanzen, die den Boden nicht auslaugen, sondern ihm Gutes tun; zudem bedecken sie den Boden und schützen ihn gegen Erosion, lockern und durchlüften tiefere Bodenschichten und aktivieren Bodenorganismen).

Nicht nur, wie der Garten liegt, wie die Bodenbeschaffenheit und wie die Lichtverhältnisse sind, bestimmt über die Gemüseauswahl im eigenen Garten, auch der Klimawandel bestimmt mit.

Alte Sorten werden mehr und mehr zurückgebracht oder auch neu gezüchtete Sorten speziell für den Klimawandel werden auf den Markt gebracht. Erwähnung findet hier aber auch dauerhaftes Gemüse, sog. Permaveggies (z.B. Spargel, Rhabarber, Bärlauch, Meerrettich. Hierzu gehören auch Stauden, die sich über viele Jahre an ihrem Standort etablieren und auf diese Weise mit Trockenheit, Starkregen und Frösten gut klarkommen. Im Gegensatz zu einjährigem Gemüse erntet man sie nie ganz und somit ist auch immer der Boden bedeckt).

Es folgt eine vierseitige Übersicht, was die Autorin wann und wie anbaut, aber ohne Sortennennungen, sondern nur mit allgemeinen praktischen Tipps für diese Pflanzenart. Erst auf den Folgeseiten wird diese Übersicht etwas ausführlicher erläutert, in Bezug auf persönliche Erfahrungen, Anwendung, Pflanzung, Sorten und wie gut sie jeweils mit dem Klimawandel zurecht kommen (z.B. Wurzelgemüse generell gut). Hierbei werden durchaus interessante und unbekannte Sorten vorgestellt, wie der Ewige Kohl oder Baumspinat. Auch wird auf Wildgemüse aka „Un- oder Beikraut“ eingegangen, das ebenfalls essbar und zusätzlich super robust ist, da es sich selber ohne jedwede Hilfe an seine Umgebung anpassen muss.

Ein letzter größerer Abschnitt widmet sich dem Thema Wasser und wie man es im Garten sparen kann, sei es durch trockenheitstolerantes Gemüse, humoser Boden, mulchen oder Regenwasser sammeln. Da Wasser zudem Wärme speichert und durch Energieentzug für etwas Kühle in der Nähe sorgt (ebenso wie Verdunstung), rät die Autorin auch zu einem Teich. Wasser spart man aber auch durch nachhaltige Materialien beim Kauf von Gartenzubehör und Co.

Generell ist es wichtig, den Wasserbedarf einer Pflanze zu kennen. Kurz wird auch auf verschiedene Bewässerungssysteme eingegangen und es gibt eine Anleitung zum Selberbasteln von Ollas.

Das Kapitel Schädlinge legt den Fokus eher auf vorbeugende Maßnahmen (robuste Sorten wählen, Mischkultur) und abwarten (z.B. auf natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer setzen). Ansonsten wird der Einsatz von Hausmitteln und selbst hergestellten Jauchen und Brühen empfohlen. Ganz gemäß des Grundsatzes des naturnahen Gärtnerns: ökologisch und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel, Platz und Nahrung im Garten für Nützlinge schaffen und in Mischkultur anbauen. Generell ist der Schädlingsteil aber eher kurz und allgemein gehalten.

Zum Abschluss geht es noch kurz um Permakultur und was man davon im eigenen Garten anwenden kann, z.B. Hühnerhaltung.

Die Literaturempfehlung am Ende wird mit jeweils 1-2 Sätzen vorgestellt, was ich sehr gut finde, da man somit auch weiß, worum es bei den Büchern geht. Dann folgt noch eine Seite mit Internetseiten, Bezugsquellen und ein Register.

Fazit: 2½/5

So wichtig dieses Thema ist, so beschränkt sich die Autorin doch nur auf den Garten. Die Balkongärtner:innen nehmen hier eher wenige Ratschläge mit. Auch ist der Titel etwas irreführend, da man trotzdem gießen muss (auch wenn der sehr lange Untertitel das vielleicht etwas spezifiziert). Das wirkt ein kleines bisschen reißerisch (bei Videos würde man es „Clickbait“ nennen).

An vielen Stellen ist das Buch sehr allgemein und gleicht eher einem Erfahrungsbericht als einem Ratgeber. Selbst in den Portraits der einzelnen Obst- und Gemüsesorten bleibt das Flair des Hobbygärtners erhalten, der hier aus seinem Tagebuch vorliest, dabei aber nicht weiter in die Tiefe geht. Positiv sticht heraus, dass zwischendrin immer wieder interessante Neuheiten („Specials“) wie das Kraterbeet, Terra Preta oder der „Phänologische Kalender“ beschrieben werden.

Mein größtes Problem ist aber, dass das Buch sehr durcheinander und ohne ersichtlichen roten Faden ist. In den einleitenden Kapiteln wird eigentlich schon alles gesagt, nur um es in den weiteren Kapiteln nochmals und nochmals aufzugreifen. Dabei wird vieles an unterschiedlichen Stellen wiederholt, z.B. wie wichtig es ist, dass der Boden nie leer ist. Auch beim Schreiben dieser Rezension musste ich meine Notizen erst einmal sortieren und in eine (halbwegs) nachvollziehbare Ordnung bringen.

Auch hat das Buch nicht die beste Aufmachung (denn sie ist genauso durcheinander wie der Inhalt), wie ich finde und 1-2 Rechtschreibfehler habe ich beim Lesen auch entdeckt.

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie andere Hobbygärtner:innen mit dem wechselnden Klima umgehen, ist hier durchaus gut aufgehoben. Wer aber lieber handfeste Ratschläge für das Gärtnern im Klimawandel hätte, sollte lieber nach anderen Büchern Ausschau halten.

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