Rezension: „Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“


Dieses Buch ist mir vor allem wegen der Autorin Melanie Öhlenhach ins Auge gefallen, von der ich bereits ein sehr gutes Balkongartenbuch daheim habe (Rezension folgt). Aber auch das Thema, das hier behandelt wird, spricht mich an: nachhaltig Gärtnern auf dem Balkon. Im Vorwort erklärt die Autorin, dass sie lange Zeit Nachhaltigkeit beim Gärtnern gar nicht auf dem Schirm hatte; immerhin ist doch schon jede Pflanze, die wächst, gut für die Umwelt. Doch auch hier fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass längst nicht alles, was man fürs Gärtnern benötigt, nachhaltig ist: Plastikgefäße, torfhaltige Erde, nicht biologische Pflanzenschutzmittel – alles hinterlässt seine Spuren. Die Autorin erklärt jedoch im gleichen Atemzug, dass Nachhaltigkeit aber noch kein weitverbreitetes Thema in der Branche ist, zumal ja auch jeder Nachhaltigkeit anders definiert. Mit diesem Buch will sie durch Wissen, ihre Erfahrungen und Recherchen dazu beitragen, dies zu ändern.

Titel: Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon
Autorin: Melanie Öhlenbach
ISBN: 978-3-440-17110-3
Verlag: Kosmos Uitgevers
Seitenzahl: 128
Erscheinungsdatum: 21.01.2021

Dieses Buch ist mir vor allem wegen der Autorin Melanie Öhlenhach ins Auge gefallen, von der ich bereits ein sehr gutes Balkongartenbuch daheim habe (Rezension folgt). Aber auch das Thema, das hier behandelt wird, spricht mich an: nachhaltig Gärtnern auf dem Balkon. Im Vorwort erklärt die Autorin, dass sie lange Zeit Nachhaltigkeit beim Gärtnern gar nicht auf dem Schirm hatte; immerhin ist doch schon jede Pflanze, die wächst, gut für die Umwelt. Doch auch hier fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass längst nicht alles, was man fürs Gärtnern benötigt, nachhaltig ist: Plastikgefäße, torfhaltige Erde, nicht biologische Pflanzenschutzmittel – alles hinterlässt seine Spuren. Die Autorin erklärt jedoch im gleichen Atemzug, dass Nachhaltigkeit aber noch kein weitverbreitetes Thema in der Branche ist, zumal ja auch jeder Nachhaltigkeit anders definiert. Mit diesem Buch will sie durch Wissen, ihre Erfahrungen und Recherchen dazu beitragen, dies zu ändern.

Im ersten Teil geht es zunächst um nachhaltige Ausrüstung. Zwei Punkte sind hierbei von besonderer Bedeutung: Nicht alles braucht man neu zu kaufen (z.B. kann man den Flohmarkt besuchen oder Upcycling betreiben) und wenn man etwas kauft, sollten es stets hochwertige Waren oder Geräte sein, da sie länger halten.

Die Autorin geht im Zuge dessen genauer auf einzelne Kategorien ein, wie beispielsweise Pflanzgefäße. So ist beispielsweise bei Plastiktöpfen das Recycling schwierig, da sich Plastik nicht vollständig zersetzt, sondern über Jahrhunderte hinweg in Mikroplastik zerfällt. Nachhaltiger wäre es daher, Plastikgefäße gebraucht oder aus Recyclingmaterial zu kaufen. Keramik und Co. sind zwar generell nachhaltiger, aber dafür auch teurer. Sie sollten aber unbedingt regional hergestellt sein und nicht aus Niedriglohnländern importiert.

Vieles was man zum Gärtnern braucht ist bereits im Haushalt vorhanden und kann zweckentfremdet werden: Weinkisten oder Spankörbe von gekauften Pilzen oder Obst können als Pflanzgefäße verwendet werden, Joghurtbecher für die Anzucht, Karaffen als Gießkannen, Teller als Untersetzer, Suppenkellen oder Löffel als Schaufeln, Zweige von heimischen Gehölzen zum Anbinden (anstelle von Bambus, der von weit her kommt), Essstäbchen zum Pikieren, und noch viele weitere Ideen werden aufgeführt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erde. Die Autorin vertritt die Meinung, dass man nicht jede Spezialerde aus dem Geschäft braucht. Für sie reicht eine normale und eine Anzuchterde vollkommen aus. Die herkömmliche Erde passt sie dann jeweils an die Bedürfnisse der Pflanzen an: Für die Starkzehrer mischt sie Langzeitdünger bei, für die Schwachzehrer nimmt sie gebrauchte Erde. Generell ist es sinnvoll, alte Erde aufzubereiten. Das spart Geld, Verpackungsmüll und der Weg zum Gartencenter sowie das Schleppen von Säcken bleibt einem auch erspart. Für den Kauf der Erde gibt sie den Leser:innen noch ein paar Tipps an die Hand und macht vor allem darauf aufmerksam, dass auch Bioerde Torf und Kokosfasern beinhalten kann. Bioerde bedeutet lediglich, dass organischer Dünger beigemischt wurde, der kann aber auch aus der konventionellen Landwirtschaft stammen. Daher sollte man zusätzlich auf das Label „vegan“ achten. Zum Abschluss folgt noch eine Übersicht über die einzelnen Bestandteile von Erde.

Im zweiten Teil geht aus um die Pflanzenwahl.

Jungpflanzen sollten möglichst bei regionalen Gärtnereien beschafft werden oder (sowie Saatgut) bei Tauschbörsen oder Flohmärkten, online oder vor Ort.

Zu beachten ist auch die jeweilige Lebensdauer: Es gibt einjährige Pflanzen (bilden in einem Jahr Wurzeln, Blätter, Blüten und Samen und sterben danach ab, wie beispielsweise Zucchini), zweijährige (bilden im zweiten Jahr Blüten und Samen, wie beispielsweise Radieschen) und mehrjährige (zum Beispiel Stauden). Auch dies lässt sich im Auge der Nachhaltigkeit betrachten.

Es folgt ein Abschnitt über das richtige Platzieren der Pflanzen auf dem Balkon. Hierbei sind die Faktoren Sonne, Schatten, Dach als Regenschutz und ein Vorsprung als Schutz vor Wind miteinzukalkulieren. Die Autorin rät zur Beobachtung und Testung der entsprechenden Parameter, bevor man sich für die entsprechenden Pflanzen entscheidet.

Ein etwas größerer Abschnitt befasst sich mit der Vermehrung von Pflanzen. Es folgt eine Übersicht und eine Anleitung mit den verschiedenen Vermehrungsarten: Saatgut, Teilung, Ausläufer, Stecklinge/Absenken. Vermehrung ist eine gute und vor allem nachhaltige Alternative zum Neukauf. Zum einen unterstützt man damit die Sortenvielfalt und zum anderen fördert das die Unabhängigkeit von großen Unternehmen. Auch selber Anbauen trägt zum Erhalt der Sortenvielfalt bei, da im Handel nur bestimmte Sorten erhältlich sind, die sich in großen Mengen ernten lassen und lange lagerbar sind. Durch die Agrarindustrie ist also viel Geschmack und Vielfalt verloren gegangen, die man sich durch Saatgut wieder ins Haus holen kann.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem erfolgreichen Pflegen von Pflanzen.
Hier werden die Klassiker behandelt:

  • Gießen (inklusive Bewässerungshilfen und einer Anleitung zum Olla bauen)
  • Düngen (inklusive Übersicht der verschiedenen Dünger und wie man Dünger auch selber machen kann, v.a. unter dem Gesichtspunkt des Geldsparens und dass man weiß, was drin ist; unter anderem behandelt werden Bokashi, Mini-Komposter, Plfanzenjauchen und -brühen wie beispielsweise Ackerschachtelhalmbrühe und natürliche Dünger aus dem Haushalt, z.B. Kaffee)
  • Mischkultur und Fruchtfolge (jedoch keine Tabelle, sondern eher Empfehlungen, wie man experimentieren oder kurze Texte, was funktionieren kann, z.B. Flach- und Tiefwurzler gemeinsam)
  • Unkraut
  • Schädlinge (regelmäßig kontrollieren und auf natürliche Gegenspieler setzen; generell findet man hier aber eher die gängigen Tipps. Zwar wird auf einzelne Schädlinge und Krankheitsbilder eingegangen, die Autorin empfiehlt aber Apps zur genaueren Bestimmung)
  • Überwintern

Interessant ist der Hinweis, dass Gründüngung auch auf dem Balkon möglich ist; es werden sogar Empfehlungen ausgesprochen.

Abschließend folgen noch einige Pflanzenportraits.
Symbole verweisen bei jeder Pflanze auf die Eigenschaften sonniger/halbschattiger/schattiger Standort, Überwintern möglich ja/nein, Kulturdauer, Vogel- und/oder Insektenfreundlich, Stark-/Mittel-/Schwachzehrer.
Aufgeteilt ist der Teil in die jeweilige Überkategorie (Gemüse, Obst, Kräuter, Blumen) und ein kurzes generelles Vorwort/Einleitung, die dann in den Portraits spezifiziert werden. Die Portraits sind jedoch sehr kurz und knackig und umfassen nur jeweils eine halbe Seite.
Bei den Obstsorten werden zum Beispiel zwar viele spezielle Balkonzüchtungen vorgestellt und es werden noch allgemeine Pflegehinweise erwähnt. Jedoch werden hier eher Klassiker genannt und auch nur Beeren; Steinobst wird nur im Vorwort erwähnt.
Die Kräuter sind besonders knapp und unspezifisch mit Tipps wie „gelegentlich gießen“.
Der Blumenteil überrascht jedoch positiv, da hier eher seltene und „außergewöhnliche“ Sorten vorgestellt werden und nicht nur Standardsorten wie die Sonnenblume. Auch wird die Wichtigkeit für die Wildbienen betont, immerhin sind die erste Hummelköniginnen ab März bis in den Herbst hinein unterwegs. Um die Bestäuber:innen anzulocken ist es wichtig, keine gefüllten Blüten, sondern ungefüllte und heimische Wildpflanzen auf dem Balkon zu kultivieren.

Fazit 2 ½ /5

Das Buch hält was der Titel verspricht. Es ist in sich stimmig und die Thematik zieht sich durch das gesamte Buch, was sich auch im Design widerspiegelt. Es kommt im „Öko-“ bzw. „Baukastendesign“ daher, da zwischendurch immer wieder spannende Konzepte und Ideen vorgestellt werden, wie beispielsweise verschiedene DIY-Anleitungen (Pflanzkasten aus Weide flechten, Palettenregal, etc.). Sogar das Papier ist nachhaltig.

Es sind viele wichtige Hinweise enthalten, wie zum Beispiel dass selbst bei Bioprodukten zur Schädlingsbekämpfung Nützlinge abgetötet werden können. Beim Lesen dieses Buches fängt man an, seinen eigenen Balkongarten zu hinterfragen.

Leider verliert sich das Thema Nachhaltigkeit jedoch etwas in den Portraits, da sie so allgemein wirken wie in einem gewöhnlichen Balkongartenbuch. Hier kommt besonders das Zwitterwesen dieses Buches zum Vorschein: Eine Mischung aus Tipps zur Nachhaltigkeit und einem allgemeinen Guide für Anfänger. Hierzwischen verliert es leider manchmal den Fokus und man stellt sich unwillkürlich die Frage: Braucht es denn das? Hätte das nicht in einem „normalen“ Balkongartenbuch untergebracht werden können?

Dennoch ist das Thema ein sehr wichtiges, und da ich die Autorin und ihren Stil mag, kann ich es all denjenigen empfehlen, die sich in dieses spezifische Thema mehr einlesen möchten.

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